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Verkehrliche Wirkung autonomer
Fahrzeuge346
Für heutige Verhältnisse mit ausschließlich durch Menschen gesteuerten Fahrzeugen ergibt
sich damit bei Verwendung der o. g. Werte eine Kapazität etwa 800 Pkw / h je Fahrstreifen.
Bei einem rein autonomen Verkehr mit Ta = 0,3 s würde sich die Kapazität auf etwa
1120 Pkw / h und damit um etwa 40 % erhöhen. Für eine gemischte Zusammensetzung der
Verkehrsströme liegen die Effizienzgewinne zwischen diesen angegebenen Werten und
können mit den oben eingeführten Formeln bestimmt werden.
Die Formel macht außerdem deutlich, dass neben der Dauer der Folgezeitlücken vor
allem die Geschwindigkeit von Bedeutung für die Kapazität ist. Mit steigender Räum-
geschwindigkeit wächst die Kapazität bei autonomem Verkehr überproportional gegenüber
einem Verkehr mit Menschen als Fahrern (s. Abb. 16.11). Gelingt es also, beim autonomen
Fahren neben den kürzeren Zeitlücken auch ein zügigeres Anfahren und Räumen zu er-
reichen, ist damit ein deutlich höherer Kapazitätsgewinn als die oben angegebenen 40 %
zu erwarten.
16.3.3 Abschätzung der Effizienzgewinne durch autonomes Fahren
Die Abschätzungen der Wirkung autonomer Fahrzeuge auf die Kapazität als Maß für die
Effizienz von Verkehrsanlagen zeigen signifikante Steigerungspotenziale sowohl für die
Streckenabschnitte von Fernstraßen als auch für die Knotenpunkte im Zuge städtischer
Hauptverkehrsstraßen.
Im Stadtverkehr könnte bei rein autonomem Verkehr eine Kapazitätserhöhung von etwa
40 % erreicht werden, während die Kapazitäten auf Autobahnabschnitten um etwa 80 %
gesteigert werden könnten. Der deutliche Unterschied in den Steigerungspotenzialen ist in
der durchschnittlichen Geschwindigkeit, mit der die Verkehrsanlagen befahren werden,
begründet. Dies wird aus dem Verlauf des Funktionsgraphen in Abb. 16.7 deutlich, der
einen überproportionalen Anstieg der Kapazität im Bereich geringerer Geschwindigkeiten
zeigt und hin zu höheren Geschwindigkeiten abflacht. Bei Erreichen der Kapazität liegen
die Geschwindigkeiten auf Autobahnen bei etwa 80 km / h. Auf städtischen Hauptverkehrs-
straßen ergibt sich beim für die Kapazität maßgebenden Kolonnenstart an Lichtsignalanla-
gen eine durchschnittliche Geschwindigkeit von etwa 20 km / h. Wegen dieses Unterschieds
in den Geschwindigkeiten wirken sich autonome Fahrzeuge sehr unterschiedlich auf die
Kapazität der Verkehrsanlagen aus.
Neben dem Kapazitätswert, der unter Berücksichtigung autonomer Fahrzeuge erreicht
werden kann, ist insbesondere die Stabilität des Verkehrsablaufs bei hohen Verkehrsstärken
von Bedeutung. Im Stadtverkehr kommt es zwar ab einer Auslastung von 70 %–80 % zu
einem ständigen Rückstau vor den maßgebenden Lichtsignalanlagen, weshalb bei hohen
Belastungen eine Durchfahrt ohne Halt (grüne Welle) nicht mehr möglich ist, aber es ent-
steht kein Leistungsabfall (capacity drop), wie dies im Außerortsverkehr und vor allem auf
Autobahnen der Fall ist. Insofern ist die Stabilität des Verkehrsablaufs im städtischen
Straßennetz bis zum Erreichen der Kapazität nicht gefährdet und erst bei einer Überlastung
kommt es zu Blockaden in den Knotenpunkten.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung