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35517.2
Unfalldatensammlungen zur Darstellung von Sicherheitspotenzialen
Potenzial für automatisiertes Fahren (S. 361, Abschnitt 17.4.1.1). Alle dokumentierten In-
formationen sind übersichtlich in Kategorien unterteilt, wie beispielsweise Straßenart, Alter
der Beteiligten bzw. Unfallverursacher und Art der Verkehrsmittel. Nicht verfügbar sind
spezifische Dokumentationen zu Unfallrekonstruktion, Verletzten und Fahrzeug
details.
17.2.2 German In-Depth Accident Study (GIDAS)
Zur detaillierten und gleichzeitig statistisch abgesicherten Auswertung von Verkehrs-
unfallszenarien sind umfangreiche Daten notwendig. In Deutschland eignet sich hierfür die
Daten bank der GIDAS (German In-Depth Accident Study). Sie gilt als eine der umfang-
reichsten und aussagekräftigsten Unfalldatenbanken der Welt und ist natio
nal wie interna-
tional anerkannt [5, 11]. Die vertieften (In-Depth) Analysen am Unfallort erfolgen nach
Auftreten eines Personenschadens fahrzeugübergreifend und werden in Deutschland
seit 1973 von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und seit 1999 auch von der
Forschungsvereinigung Automobiltechnik e.V. (FAT) unterstützt. Im GIDAS-Projekt
werden in den Erhebungsgebieten Hannover (seit 1973) und Dresden (seit 1999) heute
jährlich etwa 2000 Unfälle mit bis zu jeweils 3000 codierten Parametern anonymisiert in
einer eigenen Unfalldatenbank abgelegt. Jeder dokumentierte Unfall enthält An gaben über
die Umwelt (z. B. Wetter, Straßenart, Straßenzustand, Bebauung), die Situa
tion (z. B. Ver-
kehrslage, Konfliktsituation, Unfalltyp, Unfallart), die Fahrzeuge (Typ, Sicherheitsaus-
stattung) sowie Personen- und Verletzungsdaten inklusive einer Unfall
skizze mit Rekons-
truktion und Bilddaten [5, 11, 12].
Die Vorteile der GIDAS-Daten gründen auf fahrzeugübergreifenden vertieften Analysen
am Fahrzeug, an der Unfallstelle und im medizinischen Bereich. Viele Fälle sind für weitere
Auswertungen detailliert elektronisch mit der Simulationssoftware PC-Crash der Firma
DSD Datentechnik aus Österreich rekonstruiert und simuliert worden [13]. Ein Nachteil
besteht darin, dass die Daten nur projektbeteiligten Automobilherstellern und Zulieferern
zugänglich sind. Die Aufnahmekriterien schließen nur Unfälle mit Verletzten ein. Obwohl
die Erhebung ausschließlich im Umkreis Hannover und Dresden erfolgt, lassen sich die
Ergebnisse über eine Hochrechnung (in Fachkreisen: Wichtung bzw. Abgleich mit der
amtlichen Unfallstatistik, s. Abschnitt 17.2.1) auf Gesamtdeutschland übertragen.
17.2.3 Straßenverkehrsunfallstatistik in den USA
In den USA dokumentiert die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA)
über das Fatality Analysis Reporting System (FARS) seit 1975 jeden tödlichen Verkehrs-
unfall einheitlich [9]. Weiterhin existiert in den USA seit 1979 das National Automotive
Sample System – Crashworthiness Data System (Nass-CDS) [14]. Ähnlich dem deutschen
GIDAS-Projekt erheben interdisziplinäre Teams Verkehrsunfälle mit Personen- oder
schweren Sachschäden.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung