Page - (000379) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Image of the Page - (000379) -
Text of the Page - (000379) -
Sicherheitspotenzial automatisierter Fahrzeuge: Erkenntnisse aus der
Unfallforschung366
und 24,9 Prozent. Dabei gibt das Wirkfeld lediglich eine Abschätzung der maximalen Ef-
fizienz an, die mit sehr großer Sicherheit nicht überschritten wird. Zu beachten ist darüber
hinaus, dass einzelne Wirkfelder nicht aufsummiert werden dürfen, da zwischen den Funk-
tionen Wirkfeldüberschneidungen auftreten.
In einer darauf folgenden Wirkgradanalyse wurden aus der oben beschriebenen
GIDAS-Wirkfeldanalyse drei Funktionsausprägungen (elektronisches Bremslicht, Quer-
verkehrsassistent, Verkehrszeichenassistent für Stoppschilder) ausgewählt und über
eine Simulation reduzierter Stichproben aus Fahrsimulatoruntersuchungen entsprechende
Wirkgrade angenommen. Für die durch den Fahrer vermiedenen Unfälle bei einem
Querverkehrs assistenten (vgl. [33]) ergab sich beispielsweise eine erhebliche Bandbreite
von 9,9 bis 73,3 Prozent. Diese resultiert aus den unterschiedlichen Reaktionszeiten
der Fahrer und aus den Brems
intensitäten nach Warnungen. Deshalb wurden drei Reak-
tionszeiten (0,54/0,72/1,06 Sekunden) und die jeweilige Auftretenswahrscheinlichkeit
(36/48/16 Prozent) festgelegt. Angenommen wurde bei erfolgloser Reaktion eine schwache
Bremsung mit 50 Prozent und bei erfolgreicher Reaktion mit 100 Prozent des maximalen
Bremsdrucks [12].
Fazit: Die aufwendige Vorgehensweise dieser Wirkgradanalyse hatte das Ziel, Poten-
ziale zukünftiger vernetzter sicherheitserhöhender Fahrerassistenzfunktionen mit statisti-
scher Relevanz zu ermitteln und zu bewerten. Die ermittelte Bandbreite von bis zu ca.
70 Prozent schmälert jedoch die Aussagekraft und lässt damit lediglich Tendenzen und
Aussichten in Bezug auf vermiedene Unfälle zu. Diese starke Streuung liegt in der Sensi-
tivität der oben beschriebenen Parameter und des bewerteten Warn-Algorithmus begründet,
denn die Reaktionszeiten und die Bremsintensitäten der Fahrer auf Warnungen weichen in
der Praxis stark voneinander ab.
17.4.3 Sicherheitspotenzial von hoch- und vollautomatisiertem Fahren
Aus technischer Sicht können heute automatisierte Fahr
zeuge viele Fahraufgaben im Ver-
kehrsgeschehen unter günstigen Bedingungen selbst
ständig übernehmen. Während Assis-
tenzsysteme den Fahrer unterstützen, übernimmt komplexe Technik beim hoch- bzw. voll-
automatisierten Fahren die Fahraufgaben teilweise oder permanent.
Hoch- und vor allem vollautomatisiertes Fahren soll einer „Vision Zero“ näherkommen:
Ziel ist es, möglichst unfallfrei mobil zu sein. Straßen und Verkehrsmittel sollen so sicher
gestaltet sein, dass keine Menschen getötet oder schwer verletzt werden. Die Vision der
Unfallfreiheit hat ihren Ursprung im Arbeitsschutz und wurde in den 1990er-Jahren in
Schweden erstmals auf den Straßenverkehr angewendet. Die EU unterstützte Projekte
für selbstfahrende Fahrzeuge wie das Forschungsprojekt „Highly automated vehicles for
intelligent transport“ (HAVEit), das von der EU mit 17 Millionen Euro gefördert wurde.
Auch Automobilhersteller wie Audi, BMW, Daimler und Volkswagen arbeiten an Visionen
zum unfallfreien Fahren. In einem Interview erklärt Thomas Weber, Vorstandsmitglied für
Forschung und Entwicklung der Daimler AG:
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung