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Autonome Fahrzeuge und autonomes Fahren im Bereich des
Gütertransportes378
18.1 Einleitung
Zur Erhöhung von Produktivität, Zuverlässigkeit und Flexibilität der Raumüberwindung
nimmt der Automatisierungsgrad der Fahrzeuge sowohl im Bereich der Verkehrsträger als
auch im Bereich des innerbetrieblichen Transports kontinuierlich zu. Durch die anwach-
sende Informationsdichte und Komplexität räumlicher Arbeitsteilung gewinnt die Idee der
sich selbststeuernden, dezentralen Einheiten an Bedeutung. Die Konzentration der öffent-
lichen und wissenschaftlichen Diskussion zum autonomen Fahren mit individuellen Per-
sonenkraftwagen vernachlässigt bisher allerdings rund ein Drittel des Verkehrs auf öffent-
lichen Straßen, nämlich den Wirtschaftsverkehr. Wiederum ein Drittel des Wirtschaftsver-
kehrs entsteht durch den Transport von Gütern, der notwendig ist, da der Ort der Güterer-
stellung selten dem Ort der Güternachfrage entspricht. Das Fahren selbst stiftet keinen
Mehrwert und ist nur Mittel zum Zweck der Raumüberwindung. Aus diesem Grund wurden
bereits in den 1950er-Jahren erste Anwendungen in der innerbetrieblichen Logistik ent-
wickelt, bei denen der Transport ohne Fahrer realisiert werden konnte. Die Entwicklung
sogenannter Fahrroboter erfolgte vor allem für spezielle Missionen in gefährlichen oder
kaum zugänglichen Gebieten. Automatisierte, fahrerlose und teilweise autonome Fahr-
zeuge sind also schon seit Längerem für den Transport von Gütern in der Produktion oder
in logistischen Systemen im Einsatz.
Ganz grundsätzlich stellt sich die Frage, inwieweit auch im Straßengüterverkehr auf
öffentlicher Infrastruktur vollautomatisches Fahren eine sinnvolle Anwendung sein kann.
Daran knüpfen sich weitere Fragen an die notwendigen technischen und organisatorischen
sowie rechtlichen und sicherheitsbezogenen Vor
aus
setzungen für eine erfolgreiche Um-
setzung und sich daraus möglicherweise ergebenden Veränderungen in der Logistik bzw.
in Supply Chains und im Güterverkehrssystem.
Das Kapitel nähert sich diesen Fragestellungen zunächst historisch aus der Perspektive
der innerbetrieblichen Logistik, da in diesem Zuge die Beweggründe von Unternehmen für
die Implementierung von fahrerlosen Transportsystemen gut nachvollziehbar werden und
der Erfahrungshintergrund der Unternehmensentscheider offengelegt wird. Anhand von
Fallbeispielen aus dem Bereich von Logistik und Güterverkehr werden derzeitige Einsatz-
felder aufgezeigt und, soweit bekannt, das für die autonome Fahrt wichtige Navigations- und
Sicherheitskonzept sowie die Steuerung beschrieben. Zudem werden aufbauend auf den in
Kap. 2 beschriebenen Anwendungsfällen spezifische Anwendungsfälle für den Güterverkehr
skizziert. Die sich parallel entwickelnden autonomen Systeme der anderen Verkehrsträger,
18.6 Erste gesamtwirtschaftliche Einschätzungen
von automatisierten Systemen in der Gütertransportkette . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 393
18.7 Fazit und Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 394
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 397
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung