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Autonome Fahrzeuge und autonomes Fahren im Bereich des
Gütertransportes392
Veränderungen in den Transportsystemen selbst sind vor allem an der Schnittstelle
zwischen unbemannter und bemannter Fahrt zu erwarten sowie im Aufgabenprofil der
Fahrer. Die sich ergebenden prozessualen Veränderungen im Bahn- und Schiffsverkehr
sowie für das Tätigkeitsspektrum der Menschen scheinen nicht so gravierend zu sein. Der
Fahrer entfällt und wird durch einen Fahrroboter ersetzt. Die restliche Technik von Bahn
und Schiff stehen bisher unter einem Veränderungsvorbehalt. Allerdings könnten neue
Berufsbilder entstehen, wenn beispielsweise im Seeverkehr der Sicherheitsaspekt gegen
Angreifer höher gewichtet wird als die Navigation.
18.5 Erste einzelwirtschaftliche Einschätzungen
von automatisierten Systemen in der Gütertransportkette
Fehlendes Fahrpersonal, energiesparende Fahrweise, hohe Zuverlässigkeit und effiziente
Unfallvermeidung sind aus einzelwirtschaftlicher Perspektive gewichtige Gründe, autono-
me Systeme in der Gütertransportkette einzusetzen. In einigen Industrien ist der Material-
fluss inzwischen vom Wareneingang über die Produktionsstraßen bis hin zum Warenaus-
gang hochautomatisiert und fahrerlos gestaltet und weist damit keine Unterbrechungen und
keine Liegezeiten auf. Auch die Beschickung und Entnahme aus den Lägern erfolgt in
einigen Branchen hochautomatisiert und fahrerlos. Teilweise sind die Steuerungen von
Lager und Produktion aufeinander abgestimmt und reichen vom automatisierten Warenein-
gang zum automatisierten Warenausgang.
Mit der Entwicklung der Radio Frequency Identification (RFID)-Technologie und der
Wiederentdeckung der alten Idee von Leonardo da Vinci, von der Natur zu lernen (Bionik),
wurde die Debatte um Selbststeuerung inspiriert und führte zu einer intensiven Diskussion
um Dezentralisierung und Autonomie der Entscheidungsfindung technischer Systeme.
Unterstützt durch die technologischen Entwicklungen von kostengünstigen Sensoren und
internetgestützten Softwaresystemen hat der Automatisierungsgrad daher immer weiter
zugenommen. Die neuesten Systeme in Produktion und Lager setzen auf die Selbststeue-
rung (Internet der Dinge) der Fahrzeuge und Fördersysteme, die autonom auf veränderte
Arbeitsanforderungen, Zustände und Umfeldbedingungen reagieren können.
Ausgehend von der innerbetrieblich in bestimmten Branchen stark vorangeschrittenen
Automatisierung von FTS/FTF ist mit einer weiteren Verschiebung der menschlichen
Aktivitäten hin zu konzeptionellen und überwachenden Tätigkeiten zu rechnen. Durch den
Einsatz von fahrerlosen Fahrzeugen im gesamten logistischen System ist damit zu rechnen,
dass in vielen Supply Chains Prozesse reorganisiert werden müssen (s. Abschn. 18.4).
Allerdings wird die Automatisierung wie bisher verstärkt in einzelnen Branchen zunehmen,
da Aufwand und Nutzen nicht überall in einem angemessenen Verhältnis stehen werden
und sich gerecht verteilen lassen.
Innerhalb des Transportsystems im öffentlichen Raum würden das Entfallen des Fahrers
und/oder dessen veränderte Rolle zu zusätzlichen Schnittstellen führen, die gestaltet werden
müssen. Das Zu- und Aussteigen des Fahrers bedingt zusätzliche Halte. Im innerbetrieb-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung