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Fazit und Ausblick
immer alle Umgebungsmerkmale und -besonderheiten jeder Fahrstrecke merken müssten,
würden entsprechend kostenintensive Hard- und Softwaresysteme notwendig. Diese könn-
ten vermieden werden, wenn Wegmarken bestimmte Informationen bereithielten, die nur
temporär ausgelesen werden müssten. Übertragen auf das Verkehrssystem stellt sich hier
die Frage, wie die Straßeninfrastruktur verändert werden müsste.
Vollautomatisiertes Fahren eröffnet die Möglichkeit, Fahrzeuge ohne menschlichen
Eingriff zwischen Quelle und Ziel zu steuern. Der Fahrroboter übernimmt nicht nur die
Stabilisierung und Bahnführung, sondern auch die Navigation und trägt damit auch die
Verantwortung für die unfallfreie Fahrt.
Die Bestandsaufnahme hinsichtlich der Entwicklung autonomer Straßenverkehrssyste-
me hat deutlich gemacht, dass die Betrachtung von Personen- und Gütermobilität wesent-
lich integrierter erfolgen muss. Ebenso spannend wäre eine vertiefende Betrachtung der
autonomen Systementwicklung im Bereich der anderen Verkehrsträger. Der Autopilot in
Flugzeugen ist schon seit Langem die Regel. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen
dort Systeme zur Stabilisierung zum Einsatz. Die ersten Drohnen fliegen. Die ersten For-
schungsprojekte zur unbenannten Schifffahrt auf europäischer Ebene laufen. Auch die
Fernsteuerung von Eisenbahnen findet bereits seit Jahren statt. Neu ist die Qualität der
autonomen Entscheidungsfindung bei veränderter Umweltsituation oder neuem bzw. ver-
ändertem Fahr- bzw. Transportauftrag. Die Ausweitung der Einsatzgebiete, beispielsweise
im Luftverkehr durch die Drohnen, zeigt die Notwendigkeit auf, dass sich Transportauf-
träge vollkommen neu über die Verkehrsträger verteilen können. Hier besteht Forschungs-
bedarf.
Viele spannende Einblicke und Neuerungen wären zu erwarten, wenn das große Feld des
Personenwirtschaftsverkehrs näher untersucht werden würde. Ebenso wie beim Güterver-
kehr geht es um Mobilität in Ausübung des Berufs. Da die Raumüberwindung nur Mittel
zum Zwecke der Leistungserbringung am angefahrenen Ort ist, wird die Fortbewegung
selbst in den meisten Fällen sehr viel pragmatischer betrachtet als im Individualverkehr.
Die Zusammenführung der Teilszenarien von einzelnen, autonomen logistischen Pro-
zessen zu einem Szenario einer ganzheitlich autonomen Supply Chain bzw. Lieferkette von
der automatisierten Rohstoffgewinnung, über alle Produktions- und Logistikstufen hinweg
bis hin zur Belieferung des Endkunden erfordert eine integrierte Betrachtung. Technolo-
gisch wurden hier in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt. Die Forschungsarbeiten
müssen daher vor allem hinsichtlich des (notwendigen) Grads der Automatisierung einzel-
ner logistischer Prozesse sowie der Feststellung von einzel- und gesamtwirtschaftlichen
Nutzen und Kosten intensiviert werden.
Aufgrund der offenen rechtlichen Fragen und der fehlenden Akzeptanz innerhalb der
Bevölkerung und teilweise auch unter den Unternehmensentscheidern für den Einsatz
autonomer Systeme im Straßengüterverkehr (und teilweise auch in den anderen Verkehrs-
systemen) scheint hier nur eine schrittweise Einführung sinnvoll und realistisch. Daher
wird es auf die richtige kaskadische Ausgestaltung und Implementierungsstrategie ankom-
men. Allerdings fehlen bisher spezifische Betrachtungen der jeweiligen Umsetzungsaspek-
te der skizzierten Anwendungsfälle.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung