Page - (000436) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Image of the Page - (000436) -
Text of the Page - (000436) -
Prädiktion von maschineller Wahrnehmungsleistung beim automatisierten
Fahren420
20.1 Einleitung
Beim hoch- und vollautomatisierten Fahren ist es aufgrund der dem Fahrer zugebilligten
Nebenaufgaben notwendig, dass das Fahrzeug Einschränkungen seiner maschinellen
Wahrnehmung sowie Funktionseinschränkungen darauf aufbauender Verarbeitungsmodu-
le selbst erkennt und darauf adäquat reagiert. Während man aufgrund von Simulatorstudi-
en beim hochautomatisierten Fahren von realistischen Übergabezeiten an den Fahrer von
fünf bis zehn Sekunden ausgeht [1], [2], bevor dieser die Fahraufgabe wieder sicher über-
nehmen kann, wäre beim vollautomatisierten Fahren der Mensch überhaupt keine Rück-
fallebene mehr. Das Fahrzeug müsste bei Funktionseinschränkungen vollständig selbst
einen eigensicheren Zustand erreichen können. Aber auch mögliche Übergabezeiten von
fünf Sekunden und mehr erfordern eine weitgehende, wenn auch zeitbegrenzte Autonomie
des Fahrzeugs, um diesen Zeitraum unter allen Umständen sicher überbrücken zu können.
Um diesen Grad der Autonomie erreichen zu können, muss das Fahrzeug seine Umge-
bung wahrnehmen, geeignet interpretieren und daraus kontinuierlich sichere Handlungen
ableiten und ausführen. Technisch wird diese Aufgabe durch einzelne, aufeinander aufbau-
ende Verarbeitungsmodule gelöst. Eine vereinfachte Darstellung der Zusammenhänge
zeigt Abb. 20.1.
Die maschinelle Wahrnehmung der Fahrumgebung erfolgt durch verschiedene am Fahr-
zeug verbaute Sensoren wie Kameras oder Radarsensoren. Hinzu kommen in der Regel
weitere Informationen über das statische Fahrumfeld aus hochgenauen digitalen Karten.
Sie sind allerdings nur dann nutzbar, wenn das Fahrzeug seine genaue Position kennt. Somit
ist als weiteres Funktionsmodul auch eine Eigenlokalisation des Fahrzeugs für den Karten-
abgleich erforderlich. Das Ergebnis der maschinellen Wahrnehmung ist ein dynamisches
Fahrzeugumfeldmodell, in dem das eigene Fahrzeug sowie alle anderen Verkehrsteilneh-
mer durch individuelle Bewegungsmodelle repräsentiert sind. Ferner sollten alle relevanten
Abb. 20.1 Grobstruktur der Informationsverarbeitung bei der automatischen Fahrzeugführung
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung