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42920.3
Methoden zum Umgang mit Unsicherheiten der maschinellen Wahrnehmung
Sensoren signifikant, d. h. auĂerhalb der statistisch zu erwartenden Schwankungsbreite, ab,
liegt eine entsprechende Leistungsminderung vor.
Es bleibt jedoch festzuhalten, dass eine EinschrÀnkung der Sensorfunktion nur erkannt
werden kann, nachdem sie aufgetreten ist. AuĂer Trendaussagen bei langsamer Degene-
ration ist keinerlei Vorhersage der zukĂŒnftigen Wahrnehmungsleistung bezogen auf die
Zustandsunsicherheit möglich.
20.3.3 Existenzunsicherheit
FĂŒr die Realisierung des automatisierten Fahrens ist die Existenzunsicherheit mindestens
genauso relevant wie die Zustandsunsicherheit. Sie drĂŒckt aus, mit welcher Wahrschein-
lichkeit das Objekt in der FahrumgebungsreprÀsentation auch wirklich einem realen Objekt
entspricht. Eine Notbremsung eines automatisierten Fahrzeugs sollte beispielsweise nur im
Falle einer sehr hohen Existenzwahrscheinlichkeit eines erkannten Hindernisses ausgelöst
werden.
WÀhrend die SchÀtzung von Zustandsunsicherheiten nach dem Stand der Technik durch
Methoden der Bayes-SchÀtzung theoretisch fundiert erfolgt, wird die Existenzwahrschein-
lichkeit in heutigen Systemen noch meist aufgrund eines heuristischen QualitĂ€tsmaĂes
bestimmt. Ein Objekt gilt als bestÀtigt, wenn das QualitÀtsmaà einen sensor- und an wen-
dungsabhĂ€ngigen Schwellwert ĂŒberschreitet. Die QualitĂ€tsmaĂe basieren beispielsweise
auf der Anzahl der Messungen, die das Objekt bestÀtigt haben, oder einfach auf der Zeit-
spanne zwischen Initialisierung des Objektes und dem aktuellen Zeitpunkt. HĂ€ufig wird
auch die Zustandsunsicherheit des Objektes (s. Abschn. 20.3.2) zur Validierung verwendet.
Ein theoretisch besser fundierter Ansatz ist die SchÀtzung einer wahrscheinlichkeitsba-
sierten Existenzwahrscheinlichkeit. HierfĂŒr ist zunĂ€chst eine Definition der spezifischen
Objektexistenz notwendig. WÀhrend in manchen Anwendungen sÀmtliche realen Objekte
als existent betrachtet werden, kann die Objektexistenz auch auf die in der aktuellen An-
wendung relevanten Objekte eingeschrÀnkt werden. Des Weiteren ist eine EinschrÀnkung
auf die mit dem aktuellen Sensor-Setup auch detektierbaren Objekte möglich. Im Gegen-
satz zu einem Schwellwertverfahren ermöglicht diese Bestimmung der Existenzwahr-
scheinlichkeit jedoch eine wahrscheinlichkeitsbasierte Interpretationsmöglichkeit. Bei-
spielsweise bedeutet eine Existenzwahrscheinlichkeit von 90 Prozent, dass die Messhisto-
rie sowie das Bewegungsmuster des Objektes mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent
von einem realen Objekt erzeugt wurden. Folglich kann die Handlungsplanung des auto-
matisierten Fahrzeugs diese Wahrscheinlichkeiten bei der Bewertung von Handlungsalter-
nativen verwenden.
Ein bekannter Algorithmus zur Berechnung einer Existenzwahrscheinlichkeit stellt das
ebenfalls auf dem allgemeinen Bayes-Filter aufbauende Joint-Integrated-Probabilistic-
Data-Association- (JIPDA-) Verfahren dar, das erstmals 2004 von Musicki [13] vorgestellt
wurde. Es verwendet hierfĂŒr zusĂ€tzlich die als bekannt vorausgesetzten Detektions- und
Falschalarmwahrscheinlichkeiten der Sensoren.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung