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47922.4
Die Automation, die den lernenden Fahrer ersetzt
22.4.3 Maße sicheren Fahrens
Wie in den vorherigen Abschnitten beschrieben, wird sowohl für das generelle Verfahren
des Maschinellen Lernens als auch für die Verifizierung und Validierung während des
Betriebs die Bewertung der Fahrzeugführung in Bezug auf die Sicherheit benötigt. Zu-
nächst kann natürlich nachträglich bewertet werden, ob ein Unfall stattgefunden und mit
welcher Aufprallgeschwindigkeit, Aufprallenergie und Unfallkonstellation sich dieser
ereignet hat. Dieses Maß hat den Nachteil, dass der Unfall nach Möglichkeit gar nicht
auftreten sollte. Daraus folgt, dass für ein sicheres System der Unfall ein extrem seltenes
Ereignis sein wird und somit kaum zum Lernen geeignet ist.
Gesucht ist eine Bewertung, die bereits vor Übertreten der fahrphysikalischen Grenzen
eine unsichere Fahrt klassifiziert. Dafür wird nach [34, 35] in der Gefahrenbewertung
zwischen deterministischem und stochastischem Verfahren unterschieden.
22.4.3.1 Deterministische Verfahren zur Gefahrenbewertung
Nach [36] wird zusätzlich zwischen Identifikatoren aus der Fahrdynamik und Identifikato-
ren aus dem Abstand unterschieden. Die am einfachsten zu ermittelnden Werte mit jedoch
begrenzter Aussagekraft sind Grenzwerte für Längs- und Querbeschleunigungen sowie die
Gierrate. Bei der 100 Cars Study [37] wurden u. a. Längsbeschleunigungen größer als 0,7 g
als Trigger für die Detektion von unsicheren Situationen herangezogen. Die Identifikation
einer kritischen Situation ausschließlich bezogen auf Ego-Fahrzeug-Größen ist nicht
hinreichend, denn andere Verkehrsteilnehmer können auch ein stehendes Fahrzeug in ge-
fährliche Situationen überführen. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass die Sicherheit des
Fahrzeugs auch durch andere Verkehrsteilnehmer im Umfeld des Fahrzeugs beeinflusst
wird.
Wird das Umfeld für den Anfang zunächst auf den Längsverkehr auf einem Fahrstreifen
reduziert, ermöglichen die Time-To-Collision TTC bzw. deren Kehrwert eine Aussage über
die Sicherheit der Situation. Beispielsweise definiert die ISO 22839 (Forward vehicle
collision mitigation systems) als Zeit
TTC x
v c
r ,
die vergeht, bis das Ego-Fahrzeug mit dem Objekt im Abstand xc kollidiert, angenommen
die Relativgeschwindigkeit v v
vr
ego
obj=
−( ) bliebe konstant. Diese Größe kann sowohl für
das vorausfahrende als auch das nachfolgende Fahrzeug angewandt werden. Aus der TTC
wird bei Chan [38] ein Kritikalitätsmaß definiert, für das angenommen wird, dass die
Schwere eines Unfalls mit dem Quadrat der Geschwindigkeit einhergeht:
CriticalityIndex v
TTC
2
.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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