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48322.5
Die Automation als Teil eines lernenden Kollektivs
Allerdings liefert die voranschreitende Fahrzeugautomatisierung begünstigende Fakto-
ren. Diese sind zum einen das Entfernen der Unsicherheit des Fahrers (Ego-Fahrzeug).
Zwar ist menschliches Verhalten durch die anderen Verkehrsteilnehmer weiterhin vor-
handen, die Trajektorie des Ego-Fahrzeugs ist jedoch innerhalb der Regelgüte bekannt.
Außerdem steigt die Sensorleistungsfähigkeit aktueller Fahrzeuge, sodass Unsicherheiten
über die Objektzustände abnehmen. Ferner werden zusätzliche Informationen über das
Umfeld per V2X-Kommunikation ausgetauscht und damit die Informationsgrundlage für
eine Gefahrenbewertung in Qualität und Quantität verbessert.
22.5 Die Automation als Teil eines lernenden Kollektivs
Die Betrachtung des lernenden Fahrzeugs beschränkte sich in diesem Kapitel bisher auf
den Systemlebenszyklus eines speziellen Fahrzeugs. Was die Fahrzeugautomatisierung
jedoch implizit mit sich bringt, ist die Vervielfältigung der Hard- und Software durch die
angestrebte Serienproduktion auf ein ganzes Kollektiv von Fahrzeugen. Entsprechend
würden sich Fahrzeuge im Straßenverkehr bewegen, die gleiche Fähigkeiten aufweisen.
Dies hat auf der einen Seite den Nachteil, dass Fehlverhalten, Ausfälle und Unfallarten
nicht nur ein Fahrzeug, sondern gleich das gesamte Kollektiv betreffen können. Auf der
anderen Seite eröffnet es einen weiteren Freiheitsgrad für adaptive Systeme. Eine Daten-
austauschmöglichkeit vorausgesetzt, ergibt sich die Möglichkeit zum Kollektiven Lernen
während des Betriebs. Dabei lassen sich prinzipiell zwei Ansätze unterscheiden [51]: das
agentenbasierte Maschinelle Lernen und das Maschinelle Lernen mit Agenten. Bei dem
agentenbasierten Lernen (auch oft agentenbasierte Schwarmintelligenz genannt) baut sich
das lernende kognitive System aus einer Vielzahl von vernetzten Agenten mit begrenzter
kognitiver Leistungsfähigkeit auf, dabei wird oft das Verhalten von Tieren wie Ameisen
oder Bienen als Beispiel herangezogen [52]. Im Gegensatz dazu besteht das Maschinelle
Lernen mit Agenten ebenfalls aus mehreren Agenten, die jedoch die in Abschn. 22.3 be-
schriebenen Verfahren anwenden. Diese zwei Ansätze unterscheiden sich in den grund-
legenden Schritten des Maschinellen Lernens hinsichtlich
kollektiver Erfahrungsgenerierung,
kollektiver Leistungsbewertung und
Ableitung von gelernten Modellen und von Wissen.
Grundsätzlich können, sobald Daten von der realen Situation erzeugt wurden, die Ansätze
angewandt werden. Dabei stellt sich die Frage, an welcher Stelle eines Kollektivs aus den
Daten relevante Informationen erzeugt werden, diese im Sinne des Lernproblems und des
Leistungsmaßes bewertet werden und basierend darauf Lernverfahren eingesetzt werden.
Nicht zuletzt aus Gründen der begrenzten Bandbreite für die Datenübertragung wird es
notwendig sein, bereits verarbeitete Daten oder sogar die gelernten Modelle und das Wissen
zu übertragen, anstelle von Sensorrohdaten. Solang die beteiligten Agenten/Fahrzeuge
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
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