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Sicherheitskonzept für autonome
Fahrzeuge490
23.1 Einleitung
Die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen fokussiert sich derzeit auf die Funktionalitä-
ten von Fahrzeugführungssystemen. In zahlreichen Demonstrationen von Versuchsfahr-
zeugen wurden beeindruckende Fähigkeiten gezeigt (im Folgenden werden die neuesten
zuerst genannt). So z. B. bei der Fahrt auf der Bertha-Benz-Route des Karlsruher Instituts
für Technologie und der Daimler AG [69], im Projekt Stadtpilot der Technischen Univer-
sität Braunschweig [41], [60] den Aktivitäten der Google Inc. [13], [59], dem Forschungs-
fahrzeug BRAiVE und dem VIAC Projekt des VisLab-Instituts der Università degli Studi
di Parma [4], [8], den Forschungsaktivitäten des Sonderforschungsbereichs 28 der Deut-
schen Forschungsgemeinschaft [31], [55], [57] und den Resultaten bei der DARPA Urban
Challenge [51], [52], [53]. Falls die Versuchsträger am öffentlichen Straßenverkehr teil-
nahmen, war immer ein Sicherheitsfahrer an Bord, der das technische System überwacht
hat. Dieser musste eingreifen, falls ein technischer Defekt auftrat, die aktuelle Situation die
Fähigkeiten des Fahrzeugs überforderte oder ein anderes Ereignis dies erforderlich machte.
Durch diese notwendige Überwachung des technischen Systems sind die gezeigten Ver-
suchsfahrten im öffentlichen Straßenverkehr nach der Klassifikation von Automatisie-
rungsgraden nach [20] als teilautomatisiert einzustufen. Das Ziel zukünftiger Fahrzeugfüh-
rungssysteme mit höheren Automatisierungsgraden ist jedoch, die Systeme selbstständig
in allen Situationen auch ohne überwachende Menschen betreiben zu können.
Bei der Entwicklung von Fahrzeugführungssystemen ist daher ein Sicherheitskonzept
notwendig, das die verschiedenen Schritte im Entwicklungsprozess wie z. B. die Spezifi-
kation, den Entwurf, die Entwicklung und den Test der Funktionen abdeckt. Außerdem sind
Sicherheitsfunktionen im System notwendig, die einen sogenannten sicheren Zustand er-
reichen können bzw. diesen zu erhalten versuchen.
23.2 Sicherer Zustand
Die Verwendung des Begriffs sicherer Zustand ist oftmals nicht eindeutig. Sicherheit als
relatives Maß ist abhängig von einer individuellen Einschätzung des Betrachters. Sicher-
heit besteht nach der Norm ISO 26262 in einem Betriebsmodus eines Systems oder einer
Anordnung von Systemen, ohne unzumutbares Risiko (vgl. „safe state“, ISO 26262, Part
I, 1.102 [30]). Dies beinhaltet, dass Sicherheit nur dann vorliegt, wenn das aktuelle und das
zukünftige Risiko unterhalb einer von einer Gesellschaft akzeptierten Schwelle liegen (vgl.
23.8 Dilemma-Situationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 507
23.9 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 509
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 510
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung