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Sicherheitskonzept für autonome
Fahrzeuge498
se X-by-Wire-Technologie ist bisher noch nicht vollständig in Serienfahrzeugen erhältlich.
Das elektronische Gaspedal, die elektromechanische Lenkung und das elektrohydraulische
Bremssystem gibt es zwar schon seit einigen Jahren. Jedoch verfügen Lenkung und Brem-
se immer noch über einen mechanischen/hydraulischen Durchgriff, zumeist permanent und
in eher seltenen Fällen als Rückfallebene, falls das elektrische System ausfällt.1 Der Fahrer
kann das Fahrzeug dadurch auch ohne Elektronik kontrollieren.
Für autonome Fahrzeuge muss die Aktorik daher mehrfach redundant angesteuert wer-
den, wie das beispielsweise in Flugzeugen erfolgt. Sowohl die Kommunikationssysteme
zwischen Bedienelementen, Steuergeräten und Aktoren als auch die Bedienelemente,
Steuergeräte und Aktoren (inklusive der Energieversorgung) selbst werden hier mehrfach
verbaut, sodass im Fehlerfall auf die redundanten Systeme zurückgegriffen werden kann
[3]. In [67] wird ein dreifach-redundantes Steuerungssystem für ein Boeing 777-Passagier-
flugzeug vorgestellt. Jede sicherheitsrelevante Komponente des Flugzeugkontrollsystems
wird auf drei unterschiedliche Arten redundant umgesetzt, um eine hohe Verfügbarkeit der
Ansteuerung durch einen Piloten oder den Autopiloten zu realisieren. Aufgrund der Kriti-
kalität der Flugzeugführung sind in Passagierflugzeugen neben dem Autopiloten zwei
menschliche Piloten an Bord vorgeschrieben [15].
Die in Flugzeugen eingesetzten Architekturmuster und auch die Hard- und Software
zur Realisierung erscheinen auch für Fahrzeuge technisch anwendbar. In Flugzeugen
spielen die hohen Kosten solcher redundanter Systeme aufgrund der hohen Gesamtkosten
des Flugzeugs selbst nur eine geringe Rolle. Für Fahrzeuge wären bei einer analogen
An
wendung von dreifacher Redundanz jedoch der dreifache Entwicklungsaufwand und
die dreifache Hardware im Vergleich zu heutigen Systemen im Fahrzeug erforderlich. Es
bleibt allerdings offen, ob in Fahrzeugen tatsächlich eine dreifache Redundanz der Systeme
erforderlich wäre.
Im Flugverkehr werden die Flugrouten durch eine zentrale Luftverkehrskontrolle vor-
gegeben, und die Autopiloten halten die Flugzeuge auf den vorgegebenen Kursen. Ein
Autopilot im Flugzeug lässt sich mit einem teilautomatisierten Fahrerassistenzsystem ver-
gleichen, da die Piloten die Aufgabe haben, das System zu überwachen. In unbemannten
Flugzeugen entfällt diese Überwachung durch Piloten, und die Anforderungen an das
Flugzeugführungssystem steigen. Durch Flugrouten, die nur über dünnbesiedelte Gebiete
gelegt werden, sollen Risiken reduziert werden. Da keine Personen an Bord sind, ist ein
Absturz im freien Feld durchaus möglich, da niemand dabei verletzt wird [34].
23.3.3 Robotik
Mobile Roboter können sich selbst und ihre Umgebung durch Kollisionen mit Objekten,
Personen und weiteren Lebewesen und durch Übersehen von Absätzen, Abgründen, Stufen
1 Der Fahrzeughersteller Nissan hat 2012 eine Lenkung vorgestellt, die im Fehlerfall eine
mechanische Verbindung über eine Kupplung herstellt.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung