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Erhebung und Nutzbarmachung zusätzlicher Daten – Möglichkeiten und
Risiken516
24.1 EinfĂĽhrung: Autos, Freiheit und Datenschutz
Autos sind seit jeher ein Symbol für die Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Benutzerinnen
und Benutzer, seien es Fahrer oder Mitfahrer. Fahrer können frei entscheiden, wohin sie
fahren, welche Strecke sie wählen und meistens auch, wie schnell sie reisen wollen (oder
zumindest, wie oft sie eine Pause machen), ohne jemanden ĂĽber ihre Entscheidungen in-
formieren oder Rechenschaft darĂĽber ablegen zu mĂĽssen. Viele Kunstwerke reflektieren
diese Möglichkeit der Freiheit und der Flucht vor (häufig unzulässiger oder unangebrach-
ter) Kontrolle, die Autos ihren Benutzern bieten. Eines der wohl eindrucksvollsten Beispie-
le hierfür sind die Episoden 3, 4, 6 und 7 des 1947 uraufgeführten Filmes „In jenen Tagen“
[1], die die mehr oder weniger erfolgreichen Autofahrten mehrerer Personen zeigen, die
zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten in Deutschland unterdrĂĽckt bzw.
verfolgt wurden. Weitere Beispiele finden sich in Kap. 3. Gleichzeitig bietet ein Auto seinen
Fahrern und Haltern eine geschützte Umgebung: Personen außerhalb können für gewöhn-
lich nicht hören, was innerhalb des Autos gesprochen wird, und sie können sich auch
nicht einfach dazugesellen und der Unterhaltung beiwohnen. Auch wenn „My car is my
castle“ nicht so populär ist wie „My home is my castle“, sehen viele Leute dennoch ihr
Auto als Erweiterung ihres eigenen Heims. Dementsprechend kann man viele Haushalts-
gegenstände in Autos vorfinden, und viele Haushaltsaktivitäten finden dort statt ([2], Para-
graf 2).
Davon ausgehend könnten autonome Autos einfach eine Erweiterung der traditionellen
Konzepte von Freiheit, Autonomie und Privatsphäre für ihre Fahrer und Benutzer darstel-
len. Jedoch macht „autonomes Fahren“ in erster Linie das Fahren autonom vom Fahrer.
Gleichzeitig baut „autonomes Fahren“ stärker auf Interaktionen mit der Außenwelt als ein
Auto, das von einem Menschen gefahren wird. Aus der Forschungswelt bekannte autonome
Autos tasten ihre Umgebung ab und kommunizieren sogar häufig mit ihr wie z. B. mit
anderen Autos in der Nähe. Über den Austausch mit anderen Entitäten in der näheren Um-
gebung hinaus gibt es Pläne, Autos durch Verkehrszentralen kontrollieren zu lassen, um ihr
Verhalten (z. B. die Routenwahl) zu optimieren. Wie jede andere zentrale Einrichtung, die
Daten sammelt, verursachen Verkehrszentralen Bedenken bezüglich der Privatsphäre. Dies
motiviert dazu, die Datenflüsse und ihre Auswirkungen auf die Privatsphäre zu analysieren.
Wenn man in Betracht zieht, dass Autos nicht nur eine groĂźe Menge an Daten ĂĽber ihre
Benutzer und ihre Umgebung sammeln, sondern diese auch fĂĽr eine lange Zeit speichern
und schließlich zu anderen Entitäten kommunizieren können, verstärkt dies noch die Not-
wendigkeit der Analyse.
Deshalb diskutiert dieses Kapitel fĂĽnf Leitfragen zu autonomem Fahren, die entsprechen-
den DatenflĂĽsse sowie die Auswirkung der Interaktion zwischen Fahrzeugen auf die Privat-
sphäre:
1. Welche „neuen“ oder zusätzlichen Daten werden zur Realisierung des autonomen
Fahrens gesammelt und verarbeitet und welche Konsequenzen ergeben sich daraus
(Abschn. 24.2)?
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung