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61328.1
Einleitung
erfolgt ist. Gesellschaftliche Akzeptanz entsteht u. a. erst dann, wenn der wahrgenommene
individuelle Nutzen die erlebten Risiken deutlich überwiegt.
Eine vertiefte Analyse der zu beachtenden Risiken automatisierter Fahrzeuge auf der
Basis langjähriger Forschungs- und Produkthaftungserfahrungen liefert Grundlagen für
die Vorbereitung ihrer zukünftigen Großserienentwicklung und Vermarktung. Daraus leiten
sich Empfehlungen zur Sicherheitsbewertung ab. Bislang sind unter anderem folgende
Fragen un gelöst:
Welche Anforderungen sind für eine Entwicklung und Vermarktung sicherer automati-
sierter Fahrzeuge zu berücksichtigen?
Wie sicher ist sicher genug?
Unter welchen Bedingungen ist ein automatisiertes Fahrzeug fehlerhaft?
Wie wird die Sorgfaltspflicht bei der Entwicklung sichergestellt?
28.1.3 Technische Weiterentwicklung von Assistenzsystemen –
neue Möglichkeiten und Risiken
Aus technischer Sicht können automatisierte Fahrzeuge bereits heute Fahraufgaben im
Verkehrsgeschehen selbstständig übernehmen. Aktuelle Serienfahrzeuge mit optimierter
Sensor-, Computer- und Fahrwerkstechnik ermöglichen zunehmend leistungsfähigere
Assistenzsysteme. Einige der heute angebotenen Fahrerassistenzsysteme warnen bei er-
kannten Gefahren im Längs- oder Querverkehr (z. B. Fahrstreifenverlassenswarnung,
Kollisions-, Fahrstreifen
wechsel, Nachtsicht- oder Kreuzungsassistent). Andere greifen in
die Längs- oder Querdynamik ein (z. B. Antiblockier
system – ABS, Electronic Stability
Control – ESC, Adaptive Cruise Control – ACC). Park-Lenk-Assistenten er
möglichen er-
höhten Komfort durch Lenk- und Bremseingriffe im Niedergeschwindigkeitsbereich.
Diese teilautomatisierten Fahrzeugsysteme mit tempo rärer Längs- und Querführungs-
assistenz werden heute in Serienfahrzeugen ausschließlich unter Annahme der Kontrollier-
barkeit eines aufmerksamen Fahrers angeboten. Die Überwachung durch den Fahrzeug-
führer ist erforderlich. Somit sind Systemeinschränkungen oder -ausfälle dieser Advanced
Driver Assistance Systems – ADAS während des normalen Betriebs an den und außerhalb
der Systemgrenzen über den Nachweis der Beherrschbarkeit durch den Fahrer abgedeckt
(vgl. [5, 6]).
Beim vollautomatisierten Fahren hingegen steht der Fahrer nicht mehr als Rückfall-
ebene für technische Systemeinschränkungen und Fehler zur Verfügung. Dieser Ersatz
menschlich eigenverantwortlichen Handelns durch eine programmierte Maschine bringt
technische und rechtliche Risiken sowie Herausforderungen an die Produktsicherheit mit
sich. Jedoch lassen sich zukünftige Erwartungen an fahrerlose Fahrzeuge – auch in einer
möglichen Umbruchsituation – nur anhand bisheriger Erfahrungen beschreiben. Deshalb
werden im Folgenden Analogien auf der Grundlage vergangener und aktueller Erwartun-
gen an die Fahrzeugsicherheit gezogen.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung