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Erhöhung der Produktsicherheit automatisierter Fahrzeuge
Weiterhin berĂĽcksichtigt die ISO 26262 Ausfallraten technischer und elektronischer Bau-
teile (Failure in Time – FIT). Die Einheit FIT gibt die Anzahl der Bauteile an, die innerhalb
von 109 Stunden ausfallen. Im Ergebnis aus Auftrittswahrscheinlichkeit f und – falls mög-
lich – Beherrschbarkeit bzw. Kontrollierbarkeit C erfolgt eine Einstufung der „Sicherheits-
kritikalität“ nach ASIL B, C (empfohlene Ausfallwahrscheinlichkeit kleiner 10–7 je Stunde;
dies entspricht einer Rate von 100 FIT) bis ASIL D (geforderte Ausfallwahrscheinlichkeit
kleiner 10–8 je Stunde; dies entspricht einer Rate von 10 FIT). Die höchsten Anforderungen
entsprechen dem ASIL D. Zusätzlich berücksichtigt die ISO 26262 neben dem normalen
Betrieb des Fahrzeugs auch Serviceanforderungen bis hin zur Stilllegung des Fahrzeugs.
In diesem Zusammenhang mĂĽssen Entwickler bei der Auswahl von Bauelementen
Alterungs
folgen elektronischer Systeme in Betracht ziehen. Steuergeräte oder Sensoren
sind durch eine robuste Auslegung entsprechend zu schĂĽtzen, falls sie mit alterungsemp-
findlichen Elektrolytkondensatoren zur Energiereserve bestĂĽckt wurden. Ein Ausfall darf
keine wichtigen Funktionen auĂźer Kraft setzen [22].
28.4.4.2 Gefahren- und Operabilitätsstudie (HAZOP)
Die Gefahren- und Operabilitätsstudie (Hazard and Operability Study – HAZOP) ist eine
frĂĽhe Risikobewertung, die in der Prozessindustrie entwickelt wurde. Eine HAZOP sucht
nach jeder vorstellbaren Prozessabweichung vom normalen Betrieb und betrachtet dann
mögliche Ursachen und Konsequenzen. Typischerweise führt ein Spezialistenteam aus den
betroffenen Entwicklungsbereichen die Suche bei der HAZOP systematisch durch, um so
die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, dass wichtige Faktoren ĂĽbersehen werden [5].
28.4.4.3 Fehler-Möglichkeits- und Einfluss-Analyse (FMEA)
Die Fehler-Möglichkeits- und Einfluss-Analyse (Failure Mode and Effects Analysis –
FMEA) sowie die integrierte Fehler-Möglichkeits-, Einfluss- und Kritikalitätsanalyse
(Failure Mode, Effects and Criticality Analysis – FMECA) sind Methoden zur Zuverläs-
sigkeitsanalyse, die Fehler mit signifikanten Konsequenzen identifizieren, welche die Sys-
temleistung in der betrachteten Anwendung betreffen. Die FMEA basiert auf einem defi-
nierten System, einer Baugruppe oder einem Bauteil, fĂĽr das die grundlegenden Fehlerkri-
terien (Primärfehlermodi) verfügbar sind. Sie ist eine Technik zur Absicherung und Ein-
schätzung möglicher Fehlerzustände bei der Auslegungsüberprüfung. Sie kann vom ersten
Schritt der Systemauslegung bis zum fertigen Produkt angewendet werden. Die FMEA
lässt sich auf die Auslegung aller Systemebenen anwenden [26, 27].
28.4.4.4 Fehlerbaumanalyse (FTA)
Die Fehlerbaumanalyse (Fault Tree Analysis – FTA) beschäftigt sich mit der Identifikation
sowie Analyse von Bedingungen und Faktoren, die das Auftreten eines definierten Fehler-
zustands begĂĽnstigen, der die Systemleistung, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit oder andere
erforderliche Eigenschaften beträchtlich beeinflusst. Der Fehlerbaum ist besonders geeig-
net für die Analyse komplexer Systeme, die mehrere funktionell zusammenhängende oder
unabhängige Untersysteme mit verschiedenen Leistungszielen umfassen. Dies trifft insbe-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung