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Vom (Mit-)Fahren: autonomes Fahren und
Autonutzung688
31.1 Einleitung
Das Automobil prägt seit über einem Jahrhundert unsere physische Mobilität wie kein
anderes Verkehrsmittel. Beinahe ebenso lange steht es jedoch auch schon im Zentrum einer
Kritik, bei der es um ökologische, soziale und gesundheitliche Folgen geht, die mit Auto-
Mobilität einhergehen.
Autonomes Fahren könnte einen Umbruch im individuellen und gesellschaftlichen Um-
gang mit dem Automobil nach sich ziehen und damit auch Einfluss nehmen auf Verkehr,
Mobilität oder Raumstrukturen. In jüngster Zeit hat das Thema öffentlich viel Auf-
merksamkeit erfahren – in den Massenmedien ist es mittlerweile Teil einer regelmäßigen
Berichterstattung und auch auf sozialen Plattformen wird autonomes Fahren als Thema
aufgegriffen, diskutiert und geteilt. In der öffentlichen Diskussion wird einerseits auf die
derzeitige (wahrgenommene) technische Entwicklung abgehoben, aber auch auf den mög-
licherweise nachdrĂĽcklichen Wandel in der Nutzung des Autos, der einhergeht mit ver-
änderten Einstellungen zum Auto und zum Autofahren. Erwartet werden Veränderungen
wie z. B. ein dramatischer RĂĽckgang der aktuellen Autobesitzraten [1], [2], eine Reduzie-
rung des Raumes, der derzeit für Parkplätze zur Verfügung steht [3] oder ein Wandel von
Automobilbesitz und -nutzung zugunsten von autonomen Carsharing-Flotten [4].
Die wachsende Präsenz des Themas zeigt: Die Debatte um autonomes Fahren und das
autonome Fahrzeug kommt offenbar mehr und mehr in der Gesellschaft an. Beim Ăśbergang
in eine möglicherweise neue Ära von Autobesitz und -nutzung ist es wichtig, frühzeitig
zu fragen, was Menschen mit dem autonomen Fahren verbinden: Wie nehmen sie die
Technologie und die Auseinandersetzung damit wahr? In welchen Rahmen ist eine solche
Auseinandersetzung eingebettet? Was sind Hoffnungen, BefĂĽrchtungen, Fantasien, wo wird
die Technologie skeptisch, zuversichtlich, als machbar oder auch als unmöglich gesehen?
Eine erste systematisch fundierte Strukturierung des Themas aus Sicht von Verkehrsteil-
nehmern hat den Fokus auf die FĂĽlle an unterschiedlichen Themen, Wahrnehmungen und
Bewertungen gerichtet, die derzeit mit autonomem Fahren in Verbindung gebracht werden
(fĂĽr Details zur Erhebung und zu den Ergebnissen dieser Explorationsstudie s. Kap. 29). In
diesem Zusammenhang ist auch deutlich geworden, dass autonomes Fahren stark aus einem
subjektiven Nutzenkontext heraus bewertet wird und gleichzeitig eng an Motive, Werthal-
tungen und Praktiken zur eigenen Autonutzung gebunden ist. Die Verkehrsmittelwahl, d. h.
die Entscheidung fĂĽr ein bestimmtes Verkehrsmittel, und dabei insbesondere fĂĽr das Auto,
ist wiederum ein tief verwurzelter Teil unserer Alltagspraxis, der eher allmähliche als
sprunghafte Veränderungen erwarten lässt [5], [6]. Derzeit ist noch nicht deutlich absehbar,
wie eine Zukunft mit autonomen Fahrzeugen aussehen kann oder wird und welche Bereiche
unseres Alltags, unseres Zusammenlebens oder unserer Mobilität dadurch Veränderungen
unterworfen sein werden. Ăśber den alltagspraktischen Rahmen, in den Autonutzung und
-besitz eingebettet sind, wird der Kontext des autonomen Fahrens zumindest vorstellbarer.
Der Beitrag setzt sich zunächst mit aktuellen Erkenntnissen zum Thema Autonutzung
und -besitz auseinander. Ausgewählte Ergebnisse aus eigenen Erhebungen richten anschlie-
ßend den Fokus auf anwendungsbezogene – d. h. konkret, an den im Projekt entwickelten
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung