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Multimethodischer Untersuchungsansatz zum autonomen Fahren
Vehicle-on-Demand mit eher negativen Aussagen beschrieben; ein Viertel aller Beschrei-
bungen sehen ein solches Fahrzeug sogar als beängstigend, gefährlich, unheimlich oder
schrecklich an. Unter einem Vehicle-on-Demand können sich die Befragten offensichtlich
auch weniger vorstellen als unter einem Fahrzeug, bei dem das Selbstfahren weiterhin mög-
lich wäre, das zeigen die zahlreichen Aussagen in der Kategorie „keine Ahnung“.
Die Antwortkategorien „teuer“ und „Luxus“, die insbesondere bzw. ausschließlich dem
Vollautomaten zugeschrieben werden, lassen den Schluss zu, dass ein solches Fahrzeug
noch deutlich mit dem individuellen Privatbesitz in Verbindung gebracht wird, wohingegen
das Vehicle-on-Demand nur in einigen wenigen Aussagen überhaupt mit anderen Verkehrs-
mitteln verglichen wird.
Eine Zuordnung von Aussagen zu den autonomen Fahrzeugen zu entweder instrumen-
tellen, affektiven oder symbolischen Aspekten ergab, dass im Bereich positiv konnotierter
Wertungen instrumentelle Zuschreibungen überwiegen, während bei den negativen
Wertungen stark emotional geprägte Aussagen in der Mehrheit sind. Aussagen, bei denen
der Status-Charakter der autonomen Fahrzeuge im Vordergrund steht, konnten dagegen
nicht eindeutig identifiziert werden. In der nachfolgend beschriebenen qualitativen Er-
hebung werden die wahrgenommenen negativen Aspekte des autonomen Fahrens genauer
in den Blick genommen und daraufhin untersucht, in welchen sozio-technischen Kontext
sie eingebettet sind. Vor allem solche ablehnenden Zuschreibungen, das konnte bereits die
Explorationsstudie zeigen (s. Kap. 29), sind stärker an offenbar subjektbezogenen und
affektiven Aspekten sowie am Kontext von Autonutzung und -besitz orientiert.
31.3.2 Autonomes Fahren in der Zukunft: „Wollen wir wirklich
so leben?“1
Die folgenden Ergebnisse beruhen auf drei Gruppendiskussionen in Berlin, deren Zusam-
mensetzungen jeweils variierten. Alle Teilnehmenden hatten einen höheren Bildungs-
abschluss bzw. konnten dem akademischen Bereich zugeordnet werden – sie studierten,
arbeiteten an einer Universität oder an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung. Die
Diskussionen wurden mit je fünf, sechs und sieben Teilnehmenden, alle wohnhaft in Berlin,
durchgeführt, darunter insgesamt sieben Frauen. In der ersten Diskussionsrunde war der
Abstand zwischen jüngstem und ältestem Teilnehmer am größten; der jüngste Teilnehmer
dieser Gruppe war 20 Jahre, der älteste 50 Jahre alt. Alle Teilnehmenden nutzten regel-
mäßig ein Auto, nicht alle besaßen eines. Am Ende der jeweiligen Diskussion wurden
Daten zur Soziodemografie und zum Verkehrsverhalten sowie Kennzahlen zu Pkw-
Nutzung
und -Besitz erhoben. Alle Teilnehmenden hatten vor den Treffen schon einmal vom auto-
nomen Fahren gehört.
Zu Beginn der Treffen wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein bebildertes
narratives Szenario zum autonomen Fahren in DIN-A4 Flyer-Format vorgelegt. Es gab
1 Die Frage entstammt einem Kommentar aus den nachfolgend beschriebenen Gruppendiskussionen.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung