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Vom (Mit-)Fahren: autonomes Fahren und
Autonutzung704
Hinter solchen Fragen und Aussagen steckt eine große Unsicherheit in Bezug auf die noch
unbekannte Technologie und die Möglichkeit, dass mit ihr auch Gefahren verbunden sind.
Gleichzeitig scheint den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Gruppendiskussionen derzeit
überhaupt nicht klar, wer hinter der Entwicklung dieser Technologie steckt bzw. wer verant-
wortlich für die Sicherheit des Systems ist – wer würde bei einem Unfall haften? Wer über-
nimmt den Schaden? Und am wichtigsten: Wer übernimmt auch die ethische Ver
antwortung?
„Soziale und wirtschaftliche Folgen“
Mit der Auseinandersetzung um autonomes Fahren geht auch die Sorge einher, dass durch
die Technologie Arbeitsplätze in unterschiedlichen Bereichen (Automobilindustrie, Taxi-
Dienstleister, Lieferdienste etc.) abgebaut würden – damit ist auch die Vorstellung verbun-
den, dass es durch autonome Fahrzeuge weniger Vielfalt im Bereich der Automobilland-
schaft gäbe, „wenn es nur dieses große Eine gibt“ (Bettina), dass autonomes Fahren letzt-
endlich eine „krassere Monopolisierung“ (Eddie) mit sich bringen würde.
31.3.4 Zusammenfassung
Die Aspekte, die in den Gruppendiskussionen im Hinblick auf autonomes Fahren themati-
siert wurden, sind in einen sozio-technischen Zusammenhang eingebettet, der gleichzeitig
negative und problemzentrierte Vorstellungen über eine künftige Gesellschaft enthüllt.
Insgesamt stehen die Teilnehmenden dem autonomen Fahren eher ablehnend gegenüber.
Zwar werden auch positive Aspekte der Technologie wahrgenommen. Diese sind jedoch
weder in einen konkreten Nutzungszusammenhang eingebettet, noch mit positiven Vor-
stellungen über eine zukünftige Gesellschaft verbunden – zumindest nicht in dem Ausmaß
wie mit negativen Vorstellungen.
Befürchtungen, die im Hinblick auf eine Zukunft mit autonomem Fahren geäußert
werden, betreffen soziale Isolation, soziale und wirtschaftliche Folgen, Technikabhängig-
keit, zunehmende Trägheit und den Druck, in einer vor allem auf Leistung ausgerichteten
Gesellschaft mithalten zu müssen.
31.4 Fazit
Die Ergebnisse aus der quantitativen Befragung stellen die derzeit weit verbreitete An-
nahme, das autonome Fahren lasse eine generelle Offenheit und eine hohe Akzeptanz er-
warten (vgl. [55], [56], [57]), infrage: Zwar zeigt sich eine solche Offenheit auch in unserer
Untersuchung dort, wo nicht weiter spezifiziert wird, was ein autonomes Fahrzeug ist.
Werden den Befragten jedoch konkrete Anwendungsfälle (Use-Cases) des autonomen Fah-
rens vorgestellt, fallen die Wertungen deutlich negativer aus. Vor allem die Bewertungen
in Bezug auf das Vehicle-on-Demand lassen vermuten, dass einige Ausprägungen des
autonomen Fahrens derzeit noch relativ „weit weg“ sind von konkreteren Vorstellungen zu
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung