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Marktauswirkungen des automatisierten
Fahrens712
National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) definiert fünf Stufen des auto-
matisierten Fahrzeugs basierend auf der Verteilung der Kontrolle zwischen Fahrer und
Fahrzeug. In der höchsten Stufe vollzieht das Fahrzeug alle Fahrfunktionen, überwacht die
Sicherheit und die Umgebungsbedingungen während der gesamten Fahrt und entbindet
somit den Fahrer von jeglichen Aufgaben [63]. Diese Vision des vollständigen automati-
sierten Fahrens wird hinsichtlich des Geschäftspotenzials, der Verkehrssicherheit und der
Verkehrssteuerung für sehr vielversprechend gehalten [21]. Daher investieren neben den
Automobilherstellern auch Technologiekonzerne wie Apple oder Google in die kontinuier-
liche Verbesserung von Assistenz- und Automatisierungstechnologien. Während diese Ent-
wicklung aus Konsumentensicht ebenfalls viele positive Aspekte beinhaltet, legen erste
wissenschaftliche Untersuchungen jedoch nahe, dass Konsumenten auch starke Vorbe
halte
gegenüber automatisierten Fahrtechnologien haben [25].
Auch wenn in der wissenschaftlichen Literatur relativ wenige Arbeiten existieren, welche
die konsumentenseitige Wahrnehmung von automatisierten Fahrtechnologien untersuchen
(beispielsweise [51]), lassen sich doch aus anderen Kontexten wie beispielsweise Studien
zur Akzeptanz von Selbstbedienungstechnologien und Dienstleistungsrobotern Nutzen-
bestandteile und Barrieren identifizieren, die aus Konsumentensicht mit der Verlagerung
der Kontrolle vom Menschen hin zur Technologie verbunden sind.
Die meisten Forschungsarbeiten zur Kundenakzeptanz von technologiebasierten Inno-
vationen nutzen das „Technology Acceptance Model“ in einer der zahlreichen publizierten
Varianten [8], [15], [16], [17], [47], [60], [65], [67]. Vier zentrale Einflussfaktoren werden
als Antezedenzien von Kundenakzeptanz und dem daraus folgenden Verhalten konzeptua-
lisiert. Der erste Faktor, die Leistungserwartung, bezieht sich auf den wahrgenommenen
Nutzen der Technologie. Die zweite Variable, der wahrgenommene Aufwand, kann als
Einfachheit der Nutzung der Innovation verstanden werden [65]. Der dritte Faktor bezieht
sich auf soziale Einflüsse bezüglich der Nutzung der innovativen Technologie, welche die
Kundenakzeptanz und Adoption der neuen Technologie beeinflussen können. Viertens
leisten unterstützende Faktoren wie Infrastruktur oder persönliche Beratung einen positi-
ven Beitrag zur Akzeptanz innovativer Angebote. Einer der zentralen Erfolgsfaktoren für
die Akzeptanz von Technologieinnovationen ist jedoch die Wahrnehmung der Verhaltens-
kontrolle. Schon bei interaktiven oder ferngesteuerten Dienstleistungen, deren Nutzung
eine eingeschränkte und indirekte menschliche Interaktion impliziert, wurde der wahrge-
nommene Kontrollverlust als Faktor identifiziert, der negativ auf die Kundenakzeptanz
wirkt [70], [71]. Diese Dienstleistungen zeichnen sich dadurch aus, dass der Kunden-
kontakt des Anbieters überwiegend oder sogar vollständig durch einen technologischen
Mediator (beispielsweise ein Web-Interface) hergestellt wird. Darüber hinaus wurde fest-
gestellt, dass dem Vertrauen in technologiemediierte Dienstleistungen eine besondere
Bedeutung zukommt, insbesondere dann, wenn die Nutzung der Dienstleistung als risiko-
behaftet wahrgenommen wird [69], [70]. Zusammenfassend kann festgehalten werden,
dass die Forschung zur Akzeptanz von Technologieinnovationen und technologiemediier-
ten Dienstleistungen die Bedeutung des wahrgenommenen Nutzens, Aufwands, sozialer
Einflüsse und unterstützender Faktoren wie der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung