Page - (000739) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Image of the Page - (000739) -
Text of the Page - (000739) -
Marktauswirkungen des automatisierten
Fahrens716
32.3.2 Zur Bedeutung von Markenallianzen im Kaufverhalten
Neben der naheliegenden Option der Einführung automatisierter Fahrfunktionen unter der
Marke eines einzelnen Automobilherstellers oder eines Technologiekonzerns, sind
Markenallianzen eine weitere erwägenswerte Option. Markenallianzen werden in einer
Vielzahl von Branchen genutzt [40]. Eines der zentralen Ergebnisse der Forschung zu
Markenallianzen ist, dass unbekannte oder unbeliebte Marken von einer Allianz mit einer
bekannten und beliebten Marke profitieren können [53], [61].Markenallianzen setzen sich
dabei aus mindestens zwei Objekten zusammen, eine Unterscheidung erfolgt hierbei zwi-
schen horizontalen und vertikalen Markenallianzen [1]. Vertikale Markenallianzen werden
zwischen Akteuren auf nacheinander folgenden Stufen einer Wertschöpfungskette genutzt,
so auch beispielsweise zwischen Intel als Lieferant von Prozessoren und Dell als Integrator
von PCs. Im Unterschied hierzu gehören die Akteure horizontaler Markenallianzen einer
Industrie- und Produktkategorie an (beispielweise Häagen-Dazs und Baileys). Im vorlie-
genden Kontext erscheint eine vertikale Markenallianz zwischen einem Automobilherstel-
ler und einem Technologiekonzern ein realistisches Szenario zu sein, da bereits zahlreiche
Allianzen zwischen diesen Akteuren über die Medien bekannt gegeben wurden [32], [37].
Teil der empirischen Analyse ist daher die Untersuchung von Unterschieden im Niveau der
Kaufbereitschaft, die aus dem (nicht) Vorhandensein einer Markenallianz zwischen einer
starken (schwachen) automobilen Herstellermarke und einer starken Technologiemarke
resultieren.
32.3.3 Anwendungsfälle des automatisierten Fahrens
und ihre Bedeutung für die Kaufbereitschaft
Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) unterscheidet fünf Stufen
des automatisierten Fahrzeugs basierend auf der Verteilung der Kontrolle zwischen Fahrer
und Fahrzeug [63]. Zur Analyse möglicher Unterschiede in der Kaufbereitschaft, die aus
verschiedenen Anwendungsfällen resultieren könnten, werden verschiedene Anwendungs-
fälle auf den Stufen vier und fünf betrachtet. So werden die Befragten der ersten Studie mit
einem Autobahnpiloten konfrontiert, bei dem der Fahrer jederzeit als übergeordnete Instanz
den Fahrvorgang übernehmen kann. Die zweite empirische Studie erweitert Studie 1 durch
die Untersuchung der Effekte hypothetischer Markenallianzen. In Studie 3 werden zwei
weitere Anwendungsfälle eingeführt. Das automatisierte Valet-Parken ist mit einem gerin-
geren persönlichen physischen Risiko und ebenso mit geringerem Autonomieverlust ver-
bunden. Der dritte Anwendungsfall steht auf der fünften Stufe der NHTSA-Typologie und
ist somit vollautomatisiert und ohne Option für den Fahrer, manuell den Fahrvorgang vom
Automaten zu übernehmen. Es kann vermutet werden, dass dieser dritte Anwendungsfall
von den Probanden besonders kritisch bewertet wird, da er ein hohes Maß an wahrgenom-
menem persönlichem physischem Risiko und eine starke Beschränkung der persönlichen
Autonomie beinhaltet.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung