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Die Bautätigkeit Herzog Leopolds VI.
166 genportal besitzt ein abgestuftes Trichtergewände mit eingestellten Säulen und
wuchtigen Rundstabarchivolten. Noch gedrungener erscheint das Welser Portal ,
es besitzt kein Tympanon , sondern eine Rundbogenöffnung533.
Kennzeichnend für die Werke dieser Zeit ist die Verwendung von flachem ,
geometrischem Reliefschmuck. An einer Säule des Welser Portals und an einer
Rundstabarchivolte des Niedernburger Tors erscheint Flechtwerküberzug , wie er
vom Nordportal der Klosterkirche St. Jakob in Regensburg ( erbaut ab ca. 1180 bis
1194 )534 oder vom Tor des St.-Castulus-Münsters in Moosburg ( erbaut 1207 bis
1212 )535 abgeleitet werden kann. In Schöngrabern zeigen Säulen an der Außen-
seite der Apsis ( Abb.
71 ) das gleiche Dekor536. Der in eine Gewändekehlung ein-
gelegte Kugelschmuck findet sich am Niedernburger Tor im Archivoltenbereich
und an einer Portalstufe in Wels , er ziert aber auch die Sedilien im Chor der
Stiftskirche St. Pölten537. Geometrischer Reliefschmuck am Kämpfergesims ist in
Bayern mehrfach an Portalen festzustellen , er findet sich in Moosburg ebenso wie
in Windberg538 , am Nordportal von St. Jakob in Regensburg wie auch am Tor
der Pfarrkirche Straubing oder am Portal der Benediktinerstiftskirche Mallers-
dorf539. Im Passauer Bereich erscheint dieses Motiv am Portal der Marienkirche
Niedernburg und an den Sedilien im Chor der Klosterkirche St. Pölten. Im For-
menschatz der Passauer Gruppe sind Palmettenmotive anzutreffen , die sowohl
fächerförmig entfaltet als auch geschlossen abwechselnd-gegenständig vorkom-
men. Man findet sie in Niedernburg ebenso wie in Schöngrabern und kann sie
vom Nordportal der Schottenklosterkirche St. Jakob in Regensburg herleiten540.
Zu den formalen Übereinstimmungen gehören auch Details der figürlichen
Bauplastik. Ein in Bayern häufiges Element , die Darstellung kleiner Figuren mit
grotesk verrenkten Armen und Beinen , die an Gewändekanten gesetzt sind , wurde
von Hans Karlinger als ioculators ( Gaukler ) interpretiert. Diese Figuren finden sich
am Nordportal von St. Jakob in Regensburg541 , am Tor des St.-Castulus-Münsters
in Moosburg542 und St. Zeno in Isen543. Im Passauer Bereich ist ein Kapitell der
Marienkirche von Niedernburg zu nennen , an dessen Kanten derartige Figuren
ausgebildet sind544. Derartige Figürchen erscheinen an der Apsis von Schöngra-
bern545 und auf Kapitellen von Wandvorlagen der südlichen Umfassungsmauer der
Klosterkirche St. Pölten546. Auch ein Figurenfragment am Welser Portal , das in
der älteren Literatur als Ungethüm bezeichnet wurde547 , könnte eine verstümmelt
erhaltene Figur diesen Charakters sein. Inzwischen wurde für die Figurendarstel-
lungen dieses Typs eine neue ikonologische Interpretation in Form der schamwei
senden Gestik mit apotropäischer Bedeutung vorgeschlagen548.
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur