Page - 177 - in Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
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Die Bautätigkeit des Bistums Passau in Österreich im 13. Jahrhundert 177
neue Arkadenpfeiler errichtet , alle drei Schiffe wurden mit Kreuzrippengewölben
versehen. So wie in St. Pölten wählte man die Grundrissgestaltung durchlaufen
der Travées bei basilikalem Raumquerschnitt. Auch in Kremsmünster blieb im
Westteil der Klosterkirche frühromanische Bausubstanz erhalten ( Abb. 82 ) , die
allerdings durch Aufsetzen hoher neuer Turmkörper in größerem Ausmaß über-
lagert wurde. Durch diese pragmatische Vorgangsweise ersparte man sich einer-
seits Abbruch- und Neufundierungsarbeiten sowie Baumaterial , andererseits
konnte auch die Identität und Kontinuität des Altbaus bewahrt werden. Das
Ergebnis war ein repräsentativ modernisierter , durchgehend gewölbter Großkir-
chenbau , der in seinen Ausmaßen von 74 m Länge und 30 m Breite in vergleich-
bare Nähe der größten babenbergischen Kirchenneubauten in Lilienfeld ( 86 m
Länge ) und Wiener Neustadt ( ca. 85 m Länge , 25 m Breite ) kam. Das basilikale
Langhaus bestand nach dem Umbau aus einer Abfolge von fünf Jochschritten
in Gestalt gotischer Travées mit breitrechteckigen Mittelschiffjochen und längs-
rechteckigen Seitenschiffjochen. Das Querhaus erhielt die gleiche Breite wie das
Langhaus der Kirche. Dabei fungierten die Querhausarme mit polygonalen Ap-
siden an ihren Ostseiten als Nebenchöre , die auf tieferem Fußbodenniveau lagen
als der erhöhte Mittelchor597.
Am Umbau der Klosterkirche Kremsmünster zeigen sich Einflüsse und Anre-
gungen verschiedener Herkunft. Für die Arkadenpfeiler im Mittelschiff wählte
man den gleichen Querschnittstyp , wie er im Langhaus der Stiftskirche Lilienfeld
verwendet worden war. Die neuerliche Ausführung eines monumentalen West-
turmpaares in dieser Bauphase kann wohl nur als Tribut an das Vorbild des Pas-
sauer Pilgrimdoms und – einmal mehr – als Ausdruck des Eigenkirchenrechtes des
Passauer Bischofs an der Klosterkirche Kremsmünster verstanden werden598. In
mehrfacher Hinsicht lassen sich auffallende Übereinstimmungen mit dem Bam-
berger Dom aufzeigen : Im Chor entsprach der innere Wandaufbau der Geschoss-
folge des Bamberger Westchors. Über den wie in Bamberg paarweise gruppierten
Blendarkaden der Sedilien599 erstreckte sich das Hauptfenstergeschoss , darüber
folgte die Zone der Hochfenster , wobei die Wandfelder der Chorapsis durch über-
greifende Spitzbogen wie in Jochen umfasst wurden600. Das Apsisgewölbe war
mittels Stichkappen bis zu den übergreifenden Schildbogen an der Wand fort-
gesetzt so wie in Bamberg oder in St. Pölten. Eine weitere Übereinstimmung mit
dem Bamberger Westchor und auch mit dem Chor der Stiftskirche St. Pölten be-
steht in der bühnenartigen Erhöhung des Fußbodenniveaus im Hauptchor , oh-
ne dass sich aber darunter eine Krypta befindet. Auf das Vorbild des Bamberger
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur