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Die Klosterbauten der Ministerialen 199
Klosters683 , unter seiner Leitung wird 1253 erstmals urkundlich ein Altar in der
Stiftskirche genannt684. 1257 erließ Papst Alexander IV. einen Ablass zugunsten
der Fertigstellung des Klosters685.
Die Stiftskirche von Schlägl , deren Bau frühestens 1218 begonnen wurde , war
einschiffig und besaß einen podiumartig erhöhten , quadratischen Chor über ei-
ner gleich großen Krypta , die noch heute erhalten ist ( Abb. 100 a und b ). An der
Westseite des Langhauses befand sich eine Vorhalle mit darüberliegender Empore.
Die Krypta besitzt eine achteckige Mittelstütze , die vier quadratische , spitzbogig
kreuzgratgewölbte Joche trägt. Von dem Achteckpfeiler spannen sich rundbogige
Gurtbänder zu den Pfeilervorlagen an den Seitenmitten der Wände. Die Wand-
pfeiler tragen ungewöhnliche , nach unten spitz zulaufende Dreieckskapitelle und
stehen auf hohen , abgestuften Sockeln. Der Mittelpfeiler besitzt ein Blattknos-
penkapitell , das mit einem skulptierten kleinen , maskenartigen Menschenkopf
besetzt ist. In den Raumecken der Krypta laufen die Gewölbegrate auf skulptier-
ten Konsolen an , von denen eine aus Blattknospen gebildet ist , die drei anderen
dagegen fratzenhaft verzerrte Gesichter darstellen. Ursprünglich hatte die Krypta
Rundbogenfenster mit Trichterlaibungen. Möglicherweise war dieser Raum ur-
sprünglich der Kapitelsaal des Klosters , den man später zur Krypta umgewandelt
und mit dem Chorquadrat überbaut hat686.
Die Krypta von Stift Schlägl zeigt wie die vorher angeführten Beispiele ein Ne-
beneinander älterer sowie einzelner fortschrittlicher Stilelemente. Die Trichter-
fenster und die rundbogigen Gurtbänder der Gewölbe verweisen ebenso wie die
geradezu archaisch anmutende figürliche Bauplastik in das Formenrepertoire der
heimischen Romanik. Von der frühgotischen Zisterzienserbaukunst beeinflusst
erscheinen dagegen der Achteckpfeiler in der Mitte der Krypta mit seinem Blatt-
kapitell sowie die über Schalbrettern in Gussmauerwerk hergestellten Kappen der
gotischen Kreuzgratgewölbe. Einzelne formale Bezüge verweisen auf Böhmen ,
konkret auf das Untergeschoss der Burg Bischofteinitz / Horšovsky Týn687. Doch
selbst in den fortschrittlichen Details ist die Ausführung von derber , provinziel-
ler Qualität und steht in großem Abstand zu den Bauleistungen der Babenberger
oder der Passauer Bischöfe. Der bescheidene gesamte architektonische Aufwand
der Anlage spiegelt die von Schwierigkeiten gekennzeichnete Gründungsge-
schichte wider. Das Ausbleiben großzügiger Förderungen wirkte sich im Fehlen
überdurchschnittlich befähigter Baukünstler aus.
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur