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Kaiser Friedrich II. in
Wien212
tian noch einmal an diesen Ort , wo er auch verstarb und in der Cormac’s Chapel
beigesetzt wurde707. Abt Gregor ( gest. um 1194 ) baute die Stiftskirche und das
Kloster St. Jakob in Regensburg um , wie der detaillierte Bericht der Vita Maria
ni , der um 1185 in Regensburg geschriebenen Gründungsgeschichte des Klosters ,
überliefert708. Im Bereich des Kreuzgangs kamen dabei erstmals in Mitteleuropa
die charakteristischen normannischen Archivoltenverzierungen in geometrischer
Musterung zur Anwendung. Das vom Kreuzgang nach Norden in die Kirche füh-
rende Portal erhielt einen Schmuck von mehrfach gestaffelten , gegenständig ange-
ordneten Zackenbändern an den Archivolten. An den Arkaden des Ostflügels des
Kreuzgangs gelangte ein durchbrochen gearbeitetes Zackenrelief zur Ausführung.
Die Vita Mariani nimmt auf diese Kreuzgangausstattung ausdrücklich Bezug
und belegt , dass die Arbeiten noch unter Abt Gregor vollendet wurden709. Da das
Schottenkloster in Regensburg seine Novizen ausschließlich aus Irland holte , ist
anzunehmen , dass auch die beim Klosterbau eingesetzten Bauhandwerker irische
Mönche waren710. Es besteht sogar die Annahme , dass der irische Mönch Rydan ,
den ein Relief an der inneren Nordwand der Klosterkirche St. Jakob vielleicht als
Baumeister mit Messlatte darstellt , den Kreuzgang gemeinsam mit Ordensbrü-
dern gestaltet habe711. Dass ab der Mitte des 12. Jahrhunderts eine lebhafte Be-
ziehung zwischen dem Regensburger Schottenkloster und dem Herkunftsland der
Mönche bestand , ist durch zahlreiche Nachrichten belegt. Als 1152 auf der Synode
von Kells die autonome Verfassung der irländischen Kirche abgeschafft wurde ,
sahen die irischen Benediktinermönche … in den deutschen Klöstern für eine kurze
Zeit ihre Zukunft712. Es erfolgte daher ein verstärkter Zuzug irischer Mönche nach
Mitteleuropa713. In der 1185 von Papst Lucius III. angeregten und 1215 von Papst
Innozenz III. errichteten Kongregation der irischen Benediktinerklöster Deutsch-
lands waren auch irische Klöster mit eingebunden714.
Die irische Baukunst dieser Zeit war bereits seit Langem durch normannische
Dekorationsformen bestimmt. Häufige Einfälle der normannischen Wikinger in
Irland , deren Versuch einer Landnahme , umgekehrt aber auch die Missionstä-
tigkeit irischer Priestermönche im skandinavischen Siedlungsgebiet der Wikinger
hatten die Insel schon früh mit normannischen Kunstformen bekannt gemacht.
Um 1100 waren diese Formen an der schon seit dem 9. Jahrhundert von den Wi
kingern besiedelten Ostküste Englands in der Steinmetztechnik in den verschie-
densten Varianten ausgebildet worden und wurden von normannischen Seefah-
rern ebenso nach Irland exportiert wie auch nach Cornwall. 1154 wurde der aus
einer normannischen Familie stammende Heinrich II. von England König von
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur