Page - 223 - in Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Image of the Page - 223 -
Text of the Page - 223 -
223Kaiser
Friedrich II. in Wien
nung an Stufenportale gestalteten Blendarkaden in der inneren Erdgeschosszone
des Westchors weisen die gleichen gestaffelten , an der Vorderkante abgerundeten
Zackenbänder auf , wie die Rundbogen an Pfalz und Peterskirche in Gelnhausen.
Auch der Apsisbogen und die seitlichen Schildbogen des Chorquadrats besitzen
an ihren Rippen Zackenfriese. Am Außenbau erscheinen die gestaffelten Zacken-
bänder vereinfacht ebenso wie Gesimsbänder mit abgetreppten Schachbrettfriesen.
Die bereits von Rudolf Kautzsch vorgeschlagene Datierung des Wormser West-
chors um 1200763 wurde von Fritz Arens durch detaillierte Stilvergleiche erhär-
tet764. Eng stilverwandt mit den Blendarkaden im Westchor des Wormser Doms
ist auch das Nordportal der Kirche St. Andreas in Worms , dessen Gewändestufen
ebenfalls drei normannische Zackenbänder aufweist. Der Wiederaufbau der verfal-
lenen Kanonikerstiftskirche St. Andreas wurde vom Wormser Bischof Lupold um
1200 tatkräftig gefördert , sodass das Portal von Fritz Arens in diese Zeit datiert
wird765. Im Oktober und Dezember 1195 hielt Kaiser Heinrich VI. in Gelnhausen
und Worms Hoftage ab766 , 1213 weilte Friedrich II. in Worms , der 1231 einen wei-
teren Hoftag und 1235 einen Reichstag in dieser Stadt abhielt767. Auf den Anlass
der Fertigstellung des Westchors könnte sich eine Schenkung des Bischofs Lupold
von Worms an die fratres des Doms von 1213 beziehen768.
Am Bamberger Kaiserdom erhielt der südliche Ostturm mit der Adamspfor
te ein mit zwei normannischen Zackenbändern ausgestattetes Stufenportal. Man
kann die Gestaltung der Adamspforte wohl als offenkundige Parteinahme des
Bamberger Bischofs als Bauherrn der Domneugestaltung für den Staufer Fried-
rich II. ansehen , der zu dieser Zeit noch im Machtkampf mit dem inzwischen zum
Kaiser gekrönten welfischen Gegenkönig Otto IV. stand. Als Grablege des 1208
ermordeten deutschen Königs Philipp von Schwaben stand der Bamberger Dom
in enger Familientradition der Staufer. Ab 1220 gewährte Kaiser Friedrich
II. dem
Bamberger Bischof im Zusammenhang mit der Übertragung der Zähringer Lehen
beträchtliche Zuwendungen , die urkundlich 1225 ausdrücklich für den Dombau
( ad opus et utilitatem ecclesie)769 gewidmet wurden.
Ein weiterer für die kaiserliche Machtpolitik wichtiger Ort war die Reichs-
abtei St. Emmeram in Regensburg. Seit spätkarolingischer Zeit war dieses Bi-
schofskloster Kaiserpfalz sowie kaiserliche und herzogliche Grablege. Im Februar
1213 hielt Friedrich II. hier einen Hoftag ab , der ihm eine bedeutende Festigung
seiner Herrschermacht brachte , da ihm der böhmische König zusammen mit an-
deren Fürsten den Treueeid leistete770. In St. Emmeram war noch vor 1201 unter
Abt Peringer der Neubau von Teilen des Klosters und vor allem des Kreuzgangs
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur