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225Kaiser
Friedrich II. in Wien
späten Herrschaftszeit der Staufer eine wichtige Rolle. Im April 1237 begab sich
Kaiser Friedrich II. unmittelbar nach seinem Wiener Aufenthalt hierher , um an-
schließend zum Hoftag nach Speyer zu reisen774. Der Kaiser verließ zwar im Sep-
tember 1237 Deutschland für immer , doch sein Sohn König Konrad IV. benützte
die Pfalz in Regensburg auch noch später als Wohnsitz775.
Durch den vielfachen Einsatz normannischer Zierelemente , wie der gestaffelten
Dog teeth-Bänder an den Blendarkaden des Westchors am Dom zu Worms und an
der Adamspforte des Bamberger Doms und auch vielfältigerer Schmuckelemente ,
wie im Palas der Kaiserpfalz von Gelnhausen oder im Kreuzgang der Reichsabtei
St. Emmeram an der Kaiserpfalz in Regensburg , waren in den ersten Jahrzehnten
des 13. Jahrhunderts auch in Deutschland bestimmte wichtige Bauwerke augen-
fällig normannisch akzentuiert worden , die für das Repräsentationsbedürfnis des
Kaisers Bedeutung hatten. Es ist nicht sicher zu entscheiden , ob an den Bauten
von Worms , Gelnhausen und Bamberg tatsächlich normannische Werkleute mit-
gearbeitet haben , seien es solche aus Irland , wie sie ab dem späten 12. Jahrhun-
dert im Kloster St. Jakob in Regensburg zur Verfügung gestanden sind , seien es
solche aus Süditalien , die im Gefolge des Kaisers nach Deutschland gekommen
sein könnten. Die einfachen Dreiecksmuster der Zackenbänder konnten so , wie
sie den Wünschen des Auftraggebers entsprachen , auch von einheimischen Stein-
metzen leicht nachgebildet werden. Bei den Arbeiten in St. Emmeram scheint je-
doch eine engere Bezugnahme auf insulare iroschottische Vorbilder erkennbar. Der
à jour gearbeitete , aber nicht über Eck geführte Rhombenfries an der äußersten
Archivolte des Kreuzgangportals in St. Emmeram und die Einfassungen der Fens-
terarkaden und des Rundfensters im Kreuzgang mit dem unterschnittenen Che
vron Band stimmen genau mit Formen in Jedburgh ( Roxburgshire ) überein776.
Die zweite Archivolte des Kreuzgangportals zeigt die Kombination übergreifen-
der – oder umklammernder – weiträumiger Zackenmuster mit enggestellten Dog
teeth Bändern wie am Prior’s
Tor in Durham777. Mit Durham verwandt ist auch
die von gestaffelten Zackenbändern eingefasste Scheidbogenrippe des Eckjochs im
Kreuzgang von St. Emmeram778. Auch die inneren Archivolten des Regensburger
Portals besitzen insulare Vorbilder : Die zweite Bogenstufe von innen entspricht
genau dem Profil des Triumphbogens der Kirche St. Lawrence in Castle Rising
( Norfolk ) , die innerste Archivolte zeigt das Rautengitter in der Art der Fassa-
denfenster der Abtei Glastonbury ( Somerset )779. Lassen diese Vergleiche darauf
schließen , dass bei diesem Werk ein Meister tätig war , der die insularen Vorbilder
aus eigener Anschauung kannte , so brachte ihre Einführung für Mitteleuropa ei-
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur