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255Die
Bautätigkeit unter Herzog Friedrich II. dem Streitbaren
der Krypta von Ardagger , erhalten. Typus und Einzelheiten der Pfeilervorlagen
( Abb. 130 a ) , wie die polygonalen Kapitelldeckplatten und die Kapitellfriese , ent-
sprechen Pfeilervorlagen in der Südwestecke des Kreuzgangs in Zwettl und las-
sen sich auch mit den Pfeilern des Kapitelsaals in Heiligenkreuz vergleichen. Die
Wandpfeiler besitzen aber auch hohe Postamente ähnlich wie die Pfeiler des Um-
gangschors in Lilienfeld. Auch bei diesem Bau wirkten die Gestaltungsprinzipien
der babenbergischen Sondergotik fort , die durch ein experimentelles Kombinieren
verschiedenster frühgotischer Elemente charakterisiert war.
Die geringen Ausmaße des Baubestandes der Krypta in St. Florian lassen ver-
muten , dass es sich dabei nicht um die Krypta unter der Hauptchorapsis der mit-
telalterlichen Klosterkirche handelt , sondern um das Untergeschoss einer Neben-
chorapsis – etwa nach dem Vorbild von Kremsmünster.
Wilhering
Das Kloster Wilhering in Oberösterreich geriet zu einer Zeit , als zwar die Kirche ,
gewiss aber noch nicht die Klosterbauten vollendet waren , in eine schwere Krise , als
im Jahre 1236 offene kriegerische Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und
Herzog Friedrich II. dem Streitbaren ausbrachen , die teilweise in der näheren Um-
gebung von Wilhering ausgetragen wurden. Aus urkundlichen Nachrichten geht
hervor , dass das Kloster dabei in Mitleidenschaft gezogen wurde856. Abt Theode-
rich ( reg. 1234–1241 ) bemühte sich mit allen Mitteln , ausreichende Schutzprivilegi-
en für das bedrohte Stift zu erlangen. Er wandte sich an die zunächst erfolgreichere
Partei des Kaisers und bewog diesen – nicht zuletzt sogar mit gefälschten Urkunden
argumentierend857 – , das Kloster unter seinen Schutz zu nehmen. 1237 gewährte
Kaiser Friedrich II. die gewünschten Schutzprivilegien858. Später konnte Abt Theo-
derich auch den vom Kaiser als Statthalter in Österreich eingesetzten Bischof Ek-
bert von Bamberg zum Schutz Wilherings gewinnen. Dabei legte der Abt neuerlich
gefälschte Urkunden über ein angeblich 1151 zwischen dem Klostergründer Cholo
von Wilhering-Wachsenberg und dem damaligen Bischof von Bamberg getroffenes
Schutzherrschaftsabkommen vor859. Nach dem Umschwung der politischen Lage
verstand es Abt Theoderich sofort , nun auch das Wohlwollen des einstigen Geg-
ners , des Herzogs Friedrich des Streitbaren , zu gewinnen , der sich veranlasst sah ,
das vormals geschädigte Kloster nun besonders zu begünstigen. Der Babenberger-
herzog erneuerte nicht nur sämtliche Privilegien860 , sondern schenkte dem Kloster
auch umfangreichen Grundbesitz861. 1242 entschädigte auch ein Gefolgsmann des
Herzogs das Kloster für den dem Kloster im Krieg zugefügten Schaden862.
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur