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Historische Aufzeichnungen
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
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Starhemberg als Residenzburg Herzog Friedrichs II. des Streitbaren 269 des Erzbischofs von Sens in Villeneuve-l’Archevêque eingeholt und in feierlicher Prozession nach Sens getragen , wobei der König und sein nächstältester Bruder Robert von Artois den Schrein barfuß und im Büßerhemd trugen886. Nach der Beschreibung des Erzbischofs von Sens , Gautier Cornut , erfasste dabei alle Anwe- senden eine ekstatische Ergriffenheit : Die historische Zeit schien außer Kraft ge- setzt , man vermeinte den Herrn Jesus selbst zu erschauen , der in der dinglich ge- genwärtigen Dornenkrone wieder lebendig geworden war887. Nach einer kurzen Aufstellung in der Kathedrale Nôtre-Dame wurde die Reliquie vorläufig in die Nikolauskapelle des Pariser Königspalastes gebracht. Die Schenkung der particula corone dominice an Herzog Friedrich von Österreich kann nicht vor 1239 erfolgt sein. Der Babenbergerherzog war nach den Bischöfen von Sens und Le Puy in Frankreich der Dritte , und als weltlicher Empfänger überhaupt der Erste , dem die Schenkung einer Partikel der Dornenkrone durch König Ludwig IX. zuteil wur- de888. Ein Motiv für die hohe Auszeichnung Herzog Friedrichs könnte die Aner- kennung des Königs von Frankreich für die Bemühungen des Babenbergers um das Zustandekommen einer Allianz der europäischen Fürsten gegen die Invasion der Mongolen im Jahre 1241 gewesen sein889. Ein anderer Grund für die Schen- kung könnte gewesen sein , dass Ludwig IX. den Babenberger für eine Teilnahme an einem Kreuzzug gewinnen wollte , die der König 1244 plante , um das von den Chowaresmiern eroberte Jerusalem zurückzuerobern. Das Patrozinium der Burgkapelle , die der hl. Anna geweiht wurde , könnte ei- nen aktuellen Bezug zu Jerusalem darstellen : 1229 hatte Kaiser Friedrich II. mit Sultan al-Kāmil den freien Zugang nach Jerusalem , Bethlehem und Nazareth ausgehandelt890. Damit war auch die Annenkirche am überlieferten Ort des Hau- ses der Eltern der hl. Maria , Joachim und Anna , die die Kreuzfahrer 1187 hatten aufgeben müssen , wieder in den Besitz der Christen gekommen891 , und die Ver- ehrung der hl. Anna hatte neue Aktualität bekommen. Ein weiteres mögliches Motiv für die kostbare Reliquienschenkung könnte aber auch die im Jahre 1245 vorbereitete Erhebung des Herzogs von Österreich zum König durch Kaiser Fried- rich II. gewesen sein. Ludwig IX. trug selbst in seiner eigenen Krone eine Parti- kel der Dornenkrone Christi892. Auch eine vom Babenbergerherzog seit dem Jahr 1243 geplant gewesene Gründung eines Zisterzienserklosters könnte Grund für die Reliquienschenkung gewesen sein893. Seit 1241 , nachdem der König von Frankreich auch noch einen Span vom Hei- ligen Kreuz erworben hatte , befand sich die Sainte-Chapelle in Paris im Bau , die als monumentaler Schrein zur Aufbewahrung der unermesslich kostbaren Passi-
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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Title
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Author
Mario Schwarz
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2013
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78866-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
498
Keywords
Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Kunst und Kultur
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