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Die Bautätigkeit unter Ottokar II.
Přemysl328
aufsitzen. Der Lichtgaden des Mittelschiffs wird aus Rundfenstern mit Trichter-
laibungen gebildet , die am Außenbau konzentrisch kreisförmig , im Inneren zu
Spitzbogen umgeformt ausgebildet sind.
Charakteristische Eigenschaften der přemys li dischen Baukunst Böhmens zei-
gen die Spitzbogenarkaden , deren polygonale Unterzüge auf glatt oder vegetabi-
lisch gestalteten Konsolen aufruhen , wobei ein Kämpfergesims den rechteckigen
Pfeiler umläuft , genau wie bei den Erdgeschossarkaden auf Burg Zvíkov / Klin-
genberg. Das gleiche Kämpfergesims erscheint auch an den Langhauspfeilern der
Pfarrkirche in der königlichen Gründungsstadt Písek1097. Auch das Westfenster
der Minoritenkirche von Stein zeigt engste stilistische Übereinstimmungen mit
den maßwerkgefüllten Obergeschossfenstern im Hof der Burg Zvíkov / Klingen-
berg. Das Fenster in Stein ist gleichermaßen breit proportioniert und dreigeteilt ,
die Maßwerkformen sind aus einfachen Zirkelschlägen ( Kreise und Spitzbogen )
kons truiert. Die Maßwerkstege sind kantig polygonal profiliert. Zweifellos waren
Maßwerkfenster und Arkaden bei der Weihe von 1264 schon fertiggestellt , auch
wenn die Kirche zu diesem Zeitpunkt vielleicht
noch eine provisorische Holzdecke hatte. Doch auch
die sechsteiligen Gewölbe zeigen enge Parallelen
zur böhmisch-mährischen Baukunst , wie Verglei-
che mit Tišnov / Tischnowitz1098 und Třebič / Tre-
bitsch1099 bestätigen. Der dreijochige Langchor mit
polygonalem Fünfachtelschluss ist auffallend aus
der Mittelachse des Langhauses nach Süden ver-
setzt. Ursache für diese Achsenverschiebung dürf-
te ein älteres , an der Nordseite gelegenes Gebäude
gewesen sein , dessen Bestand bei dem Chorneu-
bau berücksichtigt wurde. Unter dem gegenüber
dem Langhaus bühnenartig erhöhten und durch
einen Lettner abgeschrankten Chor befand sich
eine Krypta. Übereinstimmungen von Baudetails
mit der Bernardikapelle und dem Hallenchor von
Heiligenkreuz lassen eine Entstehung des Chors
der Minoritenkirche in Stein im letzten Viertel des
13. Jahrhunderts annehmen1100 , wobei nicht ent-
Abb.
185 : Kapitelsaal im ehem. Minoritenkloster in Stein
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur