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Die Bautätigkeit des Bistums Passau zur Regierungszeit Ottokars II. Přemysl 337
DIE BAUTÄTIGKEIT DES BISTUMS PASSAU ZUR
REGIERUNGSZEIT OTTOKARS II. PŘEMYSL
Wien – St.Stephan , Kremsmünster
Zur Regierungszeit Ottokars II. wurden auch die vom Bistum Passau initiierten
und betriebenen Kirchenbauprojekte fortgesetzt. Ottokar setzte den Streit der Ba-
benberger um ein Landesbistum in Österreich nicht weiter fort. Er konnte auf die
Kirche in Böhmen und Mähren über die auf seinem eigenen Herrschaftsgebiet
liegenden Bistümer von Prag und Olmütz so viel Einfluss ausüben , dass er es nicht
nötig hatte , einen Machtkampf mit Passau um die österreichischen Diözesangebie-
te auszutragen. Unter diesen neuen Gesichtspunkten wurden aber auch die zuletzt
vom Babenbergerherzog Friedrich dem Streitbaren unternommenen Bestrebungen
zur Errichtung von Suffraganbistümern in Kremsmünster und Wien ( St. Stephan )
wie auch die Erhebung des hl. Koloman zum Landespatron von Österreich nicht
mehr weiter betrieben. Die Wiener Stephanskirche blieb weiterhin Eigenpfarrkir-
che des Bistums Passau. Ottokar II. unterstützte allerdings den durch einen Stadt-
brand von 1258 verzögerten , seit der späten Babenbergerzeit in Gang befindlichen
Umbau der Stephanskirche. Der Brand von 1258 hatte die Kirche so schwer getrof-
fen , dass ihre Glocken vom Feuer verzehrt wurden und die Pfarrgottesdienste für
fünf Jahre in die Schottenkirche verlegt werden mussten1138. Untersuchungen von
Rudolf Koch zeigten , dass die offenbar in Eile aufgemauerten , innen unvollendet
gebliebenen oberen Geschosse der Heidentürme auf die Wiederherstellungsarbei-
ten nach dieser Brandkatastrophe zurückgehen ( Abb. 195 )1139. Vielleicht erfolgte
im Zuge dieser Bauunterbrechung auch ein Planwechsel1140 im Bereich der Vor-
halle des Riesentors , nach der ein größer angelegtes Gestaltungskonzept für das
Portal reduziert zu Ende geführt wurde. Am 25. April 1263 konnte schließlich der
instand gesetzte Bau von Bischof Otto von Passau feierlich konsekriert werden.
Ottokar II. konnte nun im Einvernehmen mit dem Bischof von Passau seinen Ver-
trauensmann Gerhard von Siebenbürgen als Pfarrer zu St. Stephan einsetzen und
1267 in Wien eine Synode der Salzburger Kirchenprovinz ( Wiener Konzil ) einberu-
fen , die in der kaiserlosen Zeit eine konsolidierende Wirkung hatte.
In Kremsmünster , das unter den Eigenklöstern des Bistums Passau den ersten
Rang einnahm1141 , wurde auch während der Regierungszeit Ottokars II. der unter
Abt Heinrich I. im Jahre 1232 begonnene Gesamtumbau der Klosterkirche fortge-
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur