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Die Bautätigkeit des Bistums Passau zur Regierungszeit Ottokars II. Přemysl 339
setzt. Nach der 1237 erfolgten Vollendung des Chors1142 stand die Einwölbung
des Langhauses auf dem Programm. Bernardus Noricus , der Chronist des Stifts
Kremsmünster aus dem 13. Jahrhundert , beurteilt die Regierung des Abtes Ortolf
( 1247–1256 ) , der auf Heinrich I. folgte , überwiegend negativ. Seiner schlechten
Verwaltung sei es zuzuschreiben gewesen , dass der Besitzstand des Klosters ge-
mindert wurde , unter Ortolf sei sogar das Privileg des Abtes von Kremsmünster
auf Infulierung an den Bischof von Passau verkauft worden. Schließlich sei die
Absetzung Ortolfs , allerdings wegen seiner religiösen Nachlässigkeit , erfolgt1143.
Theophilus Dorn zog daraus den Schluss , dass wegen der schlechten Amtsfüh-
rung dieses Abtes und wegen der unsicheren politischen Lage zu Beginn des In-
terregnums unter Ortolf nur geringe Baufortschritte erzielt worden seien. Eine
genaue Prüfung der urkundlichen Nachrichten entkräftet jedoch einen Teil der
Vorwürfe des Chronisten Bernardus Noricus gegen Abt Ortolf. Unter seiner Füh-
rung hatte das Kloster immerhin zweimal die Erteilung des apostolischen Schut-
zes erreicht und im Jahre 1255 vom neuen Landesherrn Ottokar II. Přemysl Maut-
freiheit zuerkannt bekommen1144. Dass Ortolf Besitzungen und Privilegien des
Klosters veräußert hat , kann vielmehr aus dem finanziellen Bedarf für den Um-
bau der Kirche erklärt werden. Da das Infelprivileg im Jahre 1245 auf Betreiben
Herzog Friedrichs des Streitbaren nur ad personam an Abt Heinrich I. verliehen
worden war1145 , konnte es nun Bischof Otto von Passau mit vollem Recht von
Kremsmünster zurückverlangen. Dass es Abt Ortolf gelang , dafür eine finanzielle
Ablösung vom Bischof zu erhalten , beweist sogar seine finanzielle Tüchtigkeit.
Tatsächlich ist nämlich überliefert , dass Abt Ortolf das rechte Seitenschiff des
Langhauses der Kirche neu erbaute1146. Zu diesem Zweck musste die bestehende
frühromanische Südmauer des Langhauses erhöht werden , die nun Verstärkun-
gen durch Strebepfeiler erhielt. Gleichzeitig erfolgte die Errichtung der südlichen
Mittelschiffarkaden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Frage der Gestal-
tung der Langhauspfeiler entschieden , die als Bündelpfeiler mit kreuzförmigem
Kern an vier Seiten vorgelegten Halbrunddiensten und in die Ecken eingestellten
Rundstabdiensten ausgeführt wurden. In ihrer Querschnittsform entsprachen die
Pfeiler genau jenen im Langhaus der Klosterkirche Lilienfeld1147. Auch die Glie-
derung der Einwölbung in sechs dreischiffige Travées muss spätestens unter Abt
Ortolf festgelegt worden sein , wenn nicht schon unter Heinrich I. ein einheitli-
cher Gesamtplan für den Umbau der Stiftskirche entworfen worden war.
Bereits Abt Rudolf ( reg. 1209–1220 ) hatte südlich der Stiftskirche den Kreuz-
gang neu angelegt. Mit der Fertigstellung der Gewölbe des südlichen Seitenschiffs
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur