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349Spätottokarisch
oder frühhabsburgisch ?
ergebnisse von Jiří Kuthán zur Baukunst in Böhmen1183 und Mähren in den
Hauptlinien und Tendenzen mit Untersuchungen zur Architektur dieser Zeit in
Österreich1184. In der Folge gelang es Jiří Kuthán , das Persönlichkeitsbild König
Ottokars II. Přemysl als Auftraggeber und Mäzen auf dem Gebiet der bildenden
Künste neu darzustellen , das ihn als Initiator zahlreicher planmäßiger Stadtneu-
gründungen , als Förderer der Zisterzienser , des Deutschen Ordens und beson-
ders der Bettelordensbewegung sowie als Erbauer prächtiger Residenzburgen er-
scheinen ließ1185. Bis in formale Details ließ sich nachweisen , dass sich die vom
König initiierte Baukunst an den aktuellsten französischen und deutschen Vor-
bildern seiner Zeit orientiert hat , jedoch auch zum Träger einer přemyslidischen
Bauschule1186 mit beachtlichem eigenschöpferischem Anteil wurde.
Heiligenkreuz
Jüngste Forschungsergebnisse haben gezeigt , dass unter Ottokar in Österreich
wahrscheinlich noch viel weiter reichende Baumaßnahmen initiiert wurden , als
bisher angenommen wurde1187. Im Zisterzienserkloster Heiligenkreuz war noch
zur Zeit Herzog Leopolds V. von Babenberg das Querhaus der Klosterkirche so
angelegt worden , dass an dieses ostseitig ein Hallenbereich anschließen sollte1188 ;
die bauliche Verwirklichung eines derart geplanten Hallenchors war aber bis in
Ottokars Zeit unterblieben , was für das Kloster ein schmerzliches Dauerprovi-
sorium – gerade im Presbyterium , dem liturgisch wichtigsten Bereich der Kir-
che – dargestellt haben musste. Ursache für die Unterbrechung dieser Planung
war anscheinend , dass nach dem unerwartet frühen Ableben Leopolds V. und
Friedrichs I. von Babenberg Herzog Leopold VI. sein gesamtes Interesse auf die
Neugründung und den Ausbau seiner Klosterstiftung Lilienfeld konzentrierte
und die Förderungen an das Mutterkloster Heiligenkreuz vorübergehend ausblie-
ben. Diese Situation hatte die Mönche von Heiligenkreuz so sehr demotiviert ,
dass sie 1209 eine Abwanderung nach Ungarn in Erwägung zogen , als ihnen dies-
bezügliche Angebote im Jahre 1217 vom ungarischen König Andreas II. gemacht
wurden1189. Erst unter dem Nachfolger Leopolds VI. , Friedrich dem Streitbaren ,
war die Förderung von Heiligenkreuz wieder aufgenommen worden , und bis zur
Weihe im Jahre 1240 entstanden die Neubauten der Klostergebäude mit Kapitel-
saal , Fraterie , Dormitorium einschließlich des Kreuzgangs.
Erst im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts wurde der monumentale Neubau
des Chors in Angriff genommen , der die Dimensionen des Querschiffs in Höhe
und Breite aufnehmen und in Form einer dreijochigen dreischiffigen Halle fort-
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur