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361Spätottokarisch
oder frühhabsburgisch ?
rung seiner Möglichkeiten. Dementsprechend wurde
auch die Fertigstellung der sicherlich kostspieligen
Glasgemälde der Grazer Leechkirche , von denen bis
heute 105 Scheiben erhalten sind , in den Folgejah-
ren bis etwa 1335 konsequent weitergeführt. Höchstes
künstlerisches Niveau besitzen auch die um 1360–1375
geschaffenen Wandmalereien in einer Sitznische des
Presbyteriums1224 , die bereits einen Reflex der Kunst
Giottos zeigen.
Liebfrauenkirche Wiener Neustadt
In diesem Zusammenhang ist an eine weitere Baufüh-
rung zu denken , die in der Literatur bis vor Kurzem
bedeutend später ( um 1330 ) datiert worden ist. Unter-
suchungen von Kurt Bleicher erbrachten eine Neubewertung der Stilzusammen-
hänge und setzen dieses Werk zeitlich an die Übergangsstelle der ottokarischen
zur frühhabsburgischen Herrschaftsperiode in Österreich1225. Es handelt sich
dabei um die Neugestaltung des Ostabschnittes der Liebfrauenkirche in Wiener
Neustadt. Der Bau der Pfarrkirche von Wiener Neustadt war noch unter Leo-
pold V. beschlossen1226 , unter Leopold VI. vorangetrieben und unter Friedrich
dem Streitbaren im Bereich des Langhauses weitgehend vollendet worden. Am
Beginn der Herrschaft Ottokars II. setzte man die Bautätigkeit im Bereich der
Türme fort , die eine Erhöhung erfuhren.1227. Aus frühottokarischer Zeit stamm-
te nach Datierung des Maßwerkfensters auch das kleine Treppentürmchen zur
Westempore an der Doppelturmfassade ( Abb.
54 a ).
Die Liebfrauenkirche besaß , wie eine Kirchengrabung 1979 gezeigt hat , ur-
sprünglich im Osten einen spätromanischen Chor mit drei gestaffelt angeord-
neten Halbkreisapsiden ( Abb. 60 Ab )1228. Im Zuge eines großzügig angelegten
Umbaus wurde im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts der gesamte Bauabschnitt
östlich des Langhauses abgebrochen und durch ein Querhaus mit sechsteiligen
Gewölben im Nord- und Südarm und einem Langchor mit drei querrechtecki-
gen Jochen und einem Apsispolygon mit Fünfachtelschluss ersetzt ( Abb. 206 ).
An die Querhausarme schließen kurze rechteckige Ostkapellen an , sodass sich
Abb.
205 : Skulptierter Gewölbeschlussstein in der „Leechkirche“
in Graz
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur