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367Die
Bautätigkeit unter Rudolf I. und Albrecht I. von Habsburg
deren Gütern heiratete. In der Folge sollten diese Personen bzw. ihre Familien
auch als Bauträger im frühhabsburgischen Österreich in Erscheinung treten.
Worin aber bestand die kulturpolitische Orientierung der Habsburger ? Al-
phons Lhotsky hat die Theorie vertreten , dass die Bautätigkeit am Langhaus des
Straßburger Münsters , welches zur Lebenszeit Rudolfs erneuert wurde , bereits zu
den frühesten Baustiftungen des Grafen von Habsburg gehörte1237. Dieser Akt
hatte seine Wurzeln in der Familientradition : Bereits 1015 hatte Werinher von
Habsburg , ein Vorfahre Rudolfs , als Bischof von Straßburg den ersten Bau des
Doms begonnen. Im 13. Jahrhundert hatten die Habsburger durch ihren Streu-
besitz im Elsass noch aufrechte Beziehungen zu diesem Gebiet. Für 1283 ist die
Grundsteinlegung der Predigerkirche ( Dominikanerkirche ) von Colmar durch
König Rudolf bezeugt.
Stams
Ein interessanter Aspekt ergibt sich aus einem Bau , der im Jahre der Königswahl
Rudolfs , 1273 , von seinem Parteigänger , dem Tiroler Grafen Meinhard von Görz
und dessen Gemahlin gestiftet wurde ; es ist dies das erste Zisterzienserstift in
Tirol in Stams. Meinhards Gattin Elisabeth von Bayern war die Witwe König
Konrads IV. ( 1254 ) und aus erster Ehe Mutter Konradins ( geb. 1252 ) , des 1268
in Neapel hingerichteten letzten Staufers1238. Zum Andenken an Konradin , an
dessem letzten Feldzug in Italien 1267 auch Rudolf von Habsburg teilgenom-
men hatte , wurde Stams gegründet und gleichzeitig auch zum Erbbegräbnis der
Grafen von Tirol aus dem Hause der Meinradiner bestimmt. Der basilikale Bau
wurde demonstrativ antigotisch gestaltet : Es entstand eine ungewölbte dreischif-
fige Pfeilerbasilika von außerordentlicher Länge ( 16 Arkadenstellungen ) und mit
einem Ostabschluss von fünf Rundapsiden ( Abb. 208 ). Allem Anschein nach
sollte die Anlage an frühchristliche Basiliken Roms erinnern und damit auf die
Ansprüche des römischen Kaisertums durch die Hohenstaufen hinweisen. Eine
derartige Stellungnahme für das Andenken der Staufer war politisch riskant , da
die Päpste jahrzehntelang die Auslöschung dieser Dynastie betrieben hatten und
ein Eintreten für die Staufer zu neuen Konflikten führen konnte. Im Milieu des
Zisterzienserordens war dagegen das Gedenken an Kaiser Friedrich II. ununter-
brochen weitergepflegt worden.
Ob der Neubau des Doms San Donato von Arezzo , der von den betont ghi-
bellinischen ( kaisertreuen ) Bischöfen 1277 begonnen wurde , tatsächlich mit Ru-
dolf I. von Habsburg in Zusammenhang zu bringen ist , der der Stadt Privilegien
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur