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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
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369Die Bautätigkeit unter Rudolf I. und Albrecht I. von Habsburg nikanerinnenorden unterstellt. Durch eine Zustiftung von Rudolfs Land- schreiber Konrad von Tulln entstand in der gleichen Stadt bald auch ein Männerkonvent der Dominikaner in der Tradition der vielfach bezeugten Doppelklöster. Konrad von Tulln , der später selbst in das Dominikanerklos- ter eintrat , erwies aus dem Erlös sei- ner bisherigen Reichtümer auch dem Frauenkloster so bedeutende Schenkungen , dass er als zweiter Stifter bezeichnet wurde. Die Einweihung der Tullner Dominikanerinnenkirche erfolgte 1290. Die Kirche der Tullner Dominikanerinnen wurde 1786 abgebrochen , über ih- re bauliche Struktur geben nur Planaufnahmen und teilweise unzureichende his- torische Ansichten Auskunft. Es erscheint aber gesichert , dass es sich um einen dreischiffigen rechteckigen Bau in Hallenform mit integriertem Rechteckchor gehandelt hat ( Abb.  209 ). An der Westseite bestand ein monumentales Portal , darüber ragte ein Dachreiter auf. Das Innere war in sechs Jochschritten durchge- hend gewölbt , die Pfeiler hatten Achteckquerschnitt. In den beiden westlichsten Jochen erstreckte sich eine über die Breite aller drei Schiffe reichende Empore für die Nonnen. Südlich der Kirche lag der Kreuzgang des Klosters. Abweichen- de Form hatten die Pfeiler im Chorbereich , der im östlichsten Joch lag und mit einem Lettner vom Langhaus abgegrenzt war. Diese Pfeiler hatten gebündelten Querschnitt. Hier standen , wie uns der Berichterstatter der österreichischen Fürstengräber zur Barockzeit , Marquart Herrgott , überliefert , auf Konsolen vier vollplastische Figuren , die König Rudolf I. , seine Gemahlin Gertrud-Anna , Her- zog Albrecht I. und dessen Gemahlin Elisabeth darstellten. Zweifellos hat Renate Wagner-Rieger recht , wenn sie dem Tullner Bau gerade aufgrund dieses Figu- renprogramms höchste politisch-historische Bedeutung zuspricht. Wir haben es hier offensichtlich mit einem Stifterchor zu tun , der die Rolle einer erstmaligen Manifestation des neuen Herrscherhauses als Kirchenstifter sehr deutlich zum Ausdruck brachte. Allem Anschein nach wurden die Habsburger und ihre Ge- mahlinnen hier nämlich schon zu Lebzeiten abgebildet. Der Gedanke von Stif- terfiguren in Kirchenchören war um 1280 / 1290 nicht mehr ganz neu , er hatte beim Naumburger Westchor ( 1250 ) mit der Darstellung verstorbener Mitglieder der Stifterfamilie die bis dahin wohl großartigste Ausprägung gefunden. Pfeiler- Abb.  209 : Rekonstruierter Grundriss der ehem. Dominikanerin­ nenkirche in Tulln
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Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Title
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
Author
Mario Schwarz
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2013
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78866-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
498
Keywords
Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Kunst und Kultur
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