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371Die
Bautätigkeit unter Rudolf I. und Albrecht I. von Habsburg
zwischen 1275 und 1277 entstanden ist1242. Dieser
Befund weist auf eine Neuorientierung der Einfluss-
felder auf die österreichische Architektur hin. An die
Stelle der Wirksamkeit der böhmisch-přemyslidischen
Bauschule tritt als neue Motivquelle die Dombauhüt-
te von Regensburg , deren Einfluss auf den unter Al-
brecht I. begonnenen Hallenchor von St. Stephan in
Wien noch abschließend erwähnt werden wird.
Heiligenkreuz
Renate Wagner-Rieger bemerkte , dass noch nicht un-
ter Rudolf I. , sondern erst unter Albrecht I. von Habs-
burg ein Wechsel der fürstlichen Gunst von den Bet-
telorden zu den stärker aristokratisch ausgerichteten
Zisterziensern erfolgt sei. Im Zusammenhang damit
steht die Zuwendung des Herzogs zu den soeben ent-
standenen Neubauten des Klosters Heiligenkreuz.
Dazu gehörte der neuneckige Zentralbau des Brun-
nenhauses am Kreuzgang gegenüber dem Refektori-
um , dessen Bau nach der Weihe von 1240 noch un-
vollendet geblieben war. Nach der Klostertradi tion erfolgte die Einweihung des
an den Südflügel des Kreuzgangs anschließenden Brunnenhauses ( Abb. 212 ,
213 ) zugleich mit jener des Chors der Klosterkirche und der Bernardikapelle im
Jahre 12951243. Die variationsreich gestalteten , äußerst fortschrittlichen Blend-
maßwerke in der Sockelzone des Innenraums ( Abb. 165 ) und die zwei- , vier-
und sechsbahnigen Maßwerkfenster ließen Zweifel an der Richtigkeit einer Da-
tierung des Brunnenhauses auf das Ende des 13. Jahrhunderts aufkommen. Wie
allerdings Peter Kurmann zeigen konnte , gab es , besonders im süddeutschen
Raum , um 1300 tatsächlich derart zukunftsweisende Maßwerkformen , etwa im
Kreuzgang von Konstanz oder in der Zisterzienserkirche Salem1244.
Wie Eva Frodl-Kraft nachwies , können die sogenannten Babenberger Scheiben
mit Darstellungen der Stifterpersönlichkeiten im Brunnenhaus erst kurz vor dem
Ende des 13. Jahrhunderts entstanden sein ( Abb. 211 )1245 , was gut mit dem über-
lieferten Weihedatum der Neubauten im Jahre 1295 in Einklang zu bringen ist.
Mit den Glasfenstern , die den Stifter des Klosters Markgraf Leopold III. und sei-
ne Gemahlin Agnes , und dann in chronologischer Reihenfolge deren Söhne ( z. B.
Abb.
211 : Glasgemälde im Brunnenhaus des
Zisterzienserklosters Heiligenkreuz
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur