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375Die
Bautätigkeit unter Rudolf I. und Albrecht I. von Habsburg
le Untersuchung des Bundesdenkmalamtes noch
nicht abgeschlossen bzw. publiziert ist , bestehen
hinsichtlich der genauen Einschätzung noch ge-
wisse Unsicherheiten. Die Datierungen schwan-
ken beträchtlich zwischen Mitte des 13. Jahr-
hunderts ( Süd- und Ostflügel ) und um 1330
( Westflügel und Nordflügel mit dem Brunnen-
haus ) , doch sind diese Extremwerte aufgrund des
Stilbefundes auszuschließen. Alle Indizien wei-
sen auf das letzte Viertel des 13. Jahrhunderts , so
wie dies der genannte Urkundeninhalt bestätigt. In allen Flügeln der Anlage kom-
men sechsteilige Gewölbejoche vor , die zur Fensterseite die gleiche duale Wand-
unterteilung bewirken wie an den Außenwänden des Hallenchors und der Bernar-
dikapelle in Heiligenkreuz. Eine weitere übereinstimmende Konsequenz dieser
Gestaltungsweise ist die Rhythmisierung der Außenfronten , die sich prinzipiell
von der Wandgestaltung der Kreuzgänge Zwettl , Lilienfeld und Heiligenkreuz
aus der Babenbergerzeit unterscheidet. Im Süd- und im Ostgang kommen auch
fünfteilige Gewölbe vor , wie wir sie vom Hallenchor in Heiligenkreuz kennen ,
wie sie in der ottokarisch-böhmischen Architektur vorkommen ( Bartholomäus-
kirche in Kolin , Prager Synagoge ) und erstmals in St. Urbain in Troyes gestalte-
rische Bedeutung erlangt hatten. Im nordöstlichen Eckjoch des Kreuzgangs von
Klosterneuburg wurde eine sechsteilige Gewölbelösung gleicher Gestaltungsform
gewählt , wie in den Eckjochen des Hallenchors von Heiligenkreuz , und zwar ein
vierteiliges Gewölbe , das nach den zwei Wandseiten durch je eine Mittelrippe
unterteilt ist. Das Brunnenhaus , das im 14. Jahrhundert bereits als Agneskapelle
bezeichnet wird , hat so wie jenes von Heiligenkreuz neuneckige Grundrissform.
Die Fenster des Ost- und Südflügels haben Kleeblattabschlüsse , jene in West- ,
Nordflügel und Brunnenhaus sind maßwerkgefüllt. Um die Fensterwände höher
hi naufziehen zu können , sind die Gewölbeträger in Süd- und Ostgang durch auf
den Kämpfern aufgesetzte zusätzliche Säulchen gestelzt. Während die Gewölbe-
rippen in diesem Bereich Profilkehlungen wie um die Mitte des 13. Jahrhunderts
aufweisen , ist die Kapitellplastik stilistisch viel avancierter : Sie zeigt bereits die
Elemente des von Frankreich ausgegangenen naturalistischen Herbariumsstiles ,
ähnlich wie in der Grazer Leechkirche1249.
Abb.
214 : Grundriss des Kreuzgangs im Stift Klosterneuburg
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur