Page - 390 - in Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
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Die Bautätigkeit unter Rudolf I. und Albrecht I. von
Habsburg390
erst schon in Böhmen und Mähren ausgebildet , bald auch in Österreich zahl-
reich angewandt wurde. In der Sakralarchitektur wurde der Hallenbau in der
zweischiffigen Gestaltung von Langhäusern weiter entwickelt. Auf dem Gebiet
der Detailformen erscheinen in Österreich unter Ottokar II. Přemysl das gotische
Fenstermaßwerk und das Schirmgewölbe. Das Aufgreifen des Motivs des fünf-
teiligen Gewölbes zeigt die neuerliche Aktualisierung der Baukunst an den fort-
schrittlichsten Werken der französischen Architektur ( Saint-Urbain in Troyes ).
Man würde sich die Sicht auf weiträumigere Perspektiven verstellen , zöge
man genau mit dem Jahr 1300 den Schlussstrich des Betrachtungszeitraums. Ein
schlüssiges Bild über die Rolle der Habsburger als Protagonisten der baukünst-
lerischen Entwicklung ist aus den von ihrer Herrschaftsübernahme bis 1300 ent-
standenen Werken nicht zu gewinnen. Vielmehr bietet sich das Bild einer Gleich-
zeitigkeit ganz gegensätzlicher Lösungen , wie des Chors und des Brunnenhauses
von Heiligenkreuz gegenüber der Pfarrkirche Murau oder der Stiftskirche Stams.
Geht man jedoch nur einige wenige Jahre über die Jahrhundertwende von 1300
hinaus , eröffnen sich bereits ganz neue Perspektiven. 1304 kam es unter König
Albrecht I. mit Beteiligung der Wiener Bürger , die für die Erhaltungskosten der
sogenannten fabrica ecclesiae zuständig waren , zu den ersten Vorbereitungen ei-
nes monumentalen Chorneubaus der Wiener Stephanskirche1277. In der Breite
des damals bestehenden , in seinen unteren Mauerpartien noch auf den Bau des
12. Jahrhunderts zürückgehenden Querhauses wurde ein dreischiffiger Hallen-
chor angelegt , der drei Jochschritte weit nach Osten vorsprang und mit einem im
Grundriss gestaffelten polygonalen Dreiapsidenschluss enden sollte. Eine erste
Weihe des Albertinischen Chors von St. Stephan erfolgte 1340 schon unter Herzog
Albrecht II. Wie Johann J. Böker meint , erfolgten aber die Fertigstellung und
Schlussweihe des Chorbaus nach einer Planänderung erst 13651278. Zweifellos ist
der Albertinische Chor ohne die Voraussetzungen des Hallenchors von Heiligen-
kreuz nicht denkbar , doch erscheinen auch wichtige Elemente des Regensburger
Doms , wie der mit einem halben Jochschritt vollzogene dreiteilig gestaffelte Po-
lygonalgrundriss , verarbeitet.
Die geradflächige Durchfensterung des Chors von Heiligenkreuz wurde in
St. Stephan durch eine vielfach gebrochene Aneinanderfügung von verglasten
Wandflächen , die mit kostbarsten Glasmalereien versehen wurden , ersetzt. In
grandioser Steigerung der Stifterfiguren in der Tullner Dominikanerinnenkir-
che wurden an den Chorpfeilern des Albertinischen Chors nicht weniger als 40
Baldachinfiguren von Heiligen angebracht. Ihre Produktion wurde von Gerhard
Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Title
- Die Baukunst des 13. Jahrhunderts in Österreich
- Author
- Mario Schwarz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78866-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 498
- Keywords
- Medieval architecture, Austrian art, Medieval art, Austrian architecture, Architectural history, 13th century architecture
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Kunst und Kultur