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Smartphone) entscheidend.DigitalisierteurbaneMobilität trifft nicht auto-
matischalleindividuellenBedarfeundZugänge.AuchEinstellungenundPrä-
ferenzen,wieetwaFahrzeugezunutzen,abernichtbesitzenzuwollen,haben
sichverändert (Daum2018: 38).
Die Protagonist*innen des Ausbaus von E-Carsharing (Automobil- und
DigitalwirtschaftsowievieleGroßstadtregierungen)nehmendieHeterogeni-
tät vonMobilitätsteilnehmer*innenundderenvielfältigenMobilitätsbedarfe
nichtwahrundpostulierenstattdessenuniverselleKundenwünscheundho-
mogene Bedarfe. Stadtverkehr besteht nicht nur ausWegestrecken zur Er-
werbsarbeitundFreizeitaktivitäten.SmartMobilitystellt einErgänzungsan-
gebot für (sozialwie räumlich) ausgewählte Teile der Stadtbevölkerungdar.
DieangebotenenMobilitätsdienstleistungendesE-Carsharingsindinsbeson-
dere geeignet für spontane Fahrten, für Freizeitmobilität oder Arbeitswe-
ge zwischen zwei Standorten innerhalb der Stadt. Für dieMobilitätsbedar-
federSorgearbeit,dieWegekettenmitmehrerenStoppsabsolvierenundfixe
Start-undEndpunktehaben,sinddieDienstleistungenundTarifestationärer
Carsharing-Anbieteroftbessergeeignet.UndfürVerkehrsteilnehmer*innen,
dienureingeringesMobilitätsbudgetzurVerfügunghaben,bleibenFahrrad
undÖPNVfür innerstädtischeDistanzendiegünstigereAlternative.
Die zentrale Frage für dieMobilitätszukunft sollte nicht lauten: »Wie-
viel SmarteMobilität braucht eine Stadt?«, sondern: »Wieviel Nutzungspo-
tenzial bietet eine Smarte Mobilität?« Smartness zeigt sich auch an einer
bürgerschaftlichenBeteiligunganEntscheidungsprozessen für eine gerech-
teMobilitätsentwicklung,die sichandenBedürfnissenderVerkehrsteilneh-
mer*innenorientiertundnichtandenAngebotenvonAutomobilkonzernen.
MitdemGerechtigkeitsverständniseines»RechtsaufStadt«solltediedigita-
le Transformation allenStadtbewohner*innen eine breitere unddemokrati-
schereTeilhabeanstädtischenInfrastrukturenermöglichen.Verkehrspolitik
benachteiligt jedoch strukturell Bewohner*innen inmarginalisierten Stadt-
teilen.ModellprojektedigitalerVerkehrsinfrastrukturensindbisherfastaus-
schließlich inprivilegiertenWohngebietenmiteinkommensstarkenStadtbe-
wohner*innenzufinden.
E-CarsharingkannunterdenaktuellenBedingungennichtalsBeitragzu
einer sozial-ökologischen Transformation betrachtet werden. Free Floating
E-Carsharing-Angebote der Automobilkonzerne verfolgen nicht das primä-
re Ziel einer Vermeidung vonRessourcenreduktion oder Energiesuffizienz.
Die Nutzung digitaler Infrastrukturen für neueMobilitätsdienstleistungen
führt keineswegsautomatischzueinerKonsum-oderMobilitätswende.Da-
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Title
- Baustelle Elektromobilität
- Subtitle
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Author
- Achim Brunnengräber
- Editor
- Tobias Haas
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Category
- Technik