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266 MerleGronewegundMichael Reckordt
teneigentlichuntersuchen,menschenrechtlicheRisikenanalysieren,siemi-
nimieren sowie über ihre Aktivitäten transparent berichten.Die Bundesre-
gierung istnachdenUN-Leitprinzipien fürWirtschaftundMenschenrechte
unddenOECD-Leitlinien fürmultinationaleUnternehmenverpflichtet,die-
seSorgfaltspflichtenumzusetzen–fürUnternehmeninDeutschlandgibtes
aberkeineverbindlichenGesetze.
DieEnde2016beschlosseneEU-VerordnungzuKonfliktrohstoffen istein
erster,kleinerSchritt zuumfassenderenmenschenrechtlichenPflichten.Sie
umfasst jedoch lediglichZinn,Tantal,WolframundderenErze sowieGold.
ZudemunterliegenlediglichErstimporteurevonErzenundMetallenderVer-
ordnung,wogegendiegroßeMehrzahlderUnternehmen,diesolcheRohstof-
fe verwenden–wie die Automobil- undElektronikindustrie sowie der Ein-
zelhandel–weitgehendausderVerantwortunggenommenbleiben.Auchbei
der Sanktionierung und Transparenz der Berichte sind noch einige Fragen
offen.
Dabei birgt der Bergbau weltweit vielfältige und gravierende Umwelt-
undMenschenrechtsrisiken. Rohstoffabbau geht häufigmit tiefgreifenden
Umweltschäden wie Abholzung, Bodenzerstörung, Vergiftung von Flüssen
undGrundwasser sowieSchadstoffemissioneneinher.Umliegende ländliche
undindigeneGemeinden,diehäufigvonderLandwirtschaft,Fischerei, Jagd
oder Tourismus leben, verlieren dadurch ihre Lebensgrundlagen, wodurch
ihre Menschenrechte auf Nahrung, Wasser, Gesundheit und einen ange-
messenen Lebensstandard gefährdet werden. Bei Umsiedlungen kommt es
immer wieder zu Gewaltanwendung und Betroffene werden nicht ange-
messen entschädigt. Das Recht indigener Völker auf freie, vorherige und
informierte Zustimmung (Free Prior and Informed Consent2) und die Betei-
ligungsrechte anderer Anspruchsgruppen werden oft missachtet. Proteste
werden immer wieder unterdrückt und Menschenrechtsverteidiger*innen
verfolgt,mitunter auch getötet.Mit rund einemDrittel derweltweit regis-
trierten wirtschaftsbezogenenMenschenrechtsbeschwerden sind extraktive
Industrienmit Abstandder risikoreichsteWirtschaftssektor. So schätzt das
UmweltprogrammderVereintenNationen (UNEP), dass 40 % aller globalen
Konflikteder letzten60 JahremitdemAbbauvonRohstoffen inVerbindung
stehen. Allein 98 Konflikte im Jahr 2016 hatten einen Bezug zu Wasser,
MetallenundMineralien oder zu anbaufähigemLand, 67 %dieserKonflikte
2 DieKonvention169der InternationalenLabourOrganization(ILO)erkenntdieRechte
IndigenerGemeinschaftenanundstelltMindeststandardsanKonsultationspflichten.
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Title
- Baustelle Elektromobilität
- Subtitle
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Author
- Achim Brunnengräber
- Editor
- Tobias Haas
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Category
- Technik