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(Auto-)Mobilität zwischenZwangundTeilhabe 389
VerkehrsleistungaufdieverschiedenenTrägerbesondersstarkzugunstendes
MIVverschobenist.InbeidenFällenstehenrelativ ›wenige‹Auto-undKraft-
radfahrer*innen für eine relativ hoheVerkehrsleistung. ImHinblick auf ein
neues Leitbild desmenschen- und naturgerechten Verkehrsmuss hier die
Frage vorangestellt werden, inwieweit dieseVerkehre autonomentschieden
wurdenbeziehungsweise individuellenPräferenzenfolgen.
Anknüpfend an die macht- und kapitalismustheoretische Analyse des
gesellschaftlichen Verkehrs ist deswegen eine andere Unterscheidung aus-
schlaggebend: bei den Wegezwecken Beruf, Ausbildung, Geschäft und
Einkauf handelt es sich um ›erzwungene Verkehre‹. Ein Großteil des Ver-
kehrswachstums fällt auf diesenBereich zurück.Demgegenüber stehendie
Wegezwecke Freizeit und Urlaub. Die erzwungenen Verkehre umfassten
im Jahr 2016 laut BMVI 669,6 Milliarden von 1275,9 Milliarden Pkm, also
etwa 52,8
%. Für eineVerkehrswendeweg vomMIVhin zumFuß-,Radweg
und ÖNPV müssen hier Dimensionen der individuellen und kollektiven
Handlungsmacht nicht nur in der Wahl des Verkehrsmittels, sondern im
ZustandekommendesMobilitätsbedarfsundseinerÜbersetzung inVerkehr
einbezogen werden (Schwedes 2013). Für die politische Steuerung der IG
Metall außerhalb der betriebs- und tarifpolitischen Arena ist diese Unter-
scheidung zentral, da der Vertretungsanspruch über die Mitglieder und
die Branchen im Organisationsbereich hinaus den sozialen Ausgleich im
Transformationsprozess im Blick hat. Unter der Bedingung einesMangels
an alternativen Verkehrssystemen droht eine steuer- und abgabenpolitisch
forcierteVerkehrswende(z.B.CO2Steuer)dieMenschensehrunterschiedlich
zubelastenunddenTransformationsprozesszudelegitimieren.
VerkehrundKlimawandel -dieEnergieeffizienzderVerkehrsträger8
InderaktuellenDebattetauchtderVerkehrssektorimmerwiederalsdas›Sor-
genkind‹dernationalenKlimapolitikauf.EristdereinzigeSektor,derimVer-
gleich zumReferenzjahr 1990bisher zukeinerReduktion vonCO2Emissio-
nen9 beigetragenhat.Bis2030sollendieEmissionenum40-42 %gegenüber
8 Zu einer verkehrsökologischen Betrachtung einer Verkehrswende gehört selbstver-
ständlichdie raumökonomischeDimension imZusammenhangmit der Stadt-Land-
Problematik verschiedenerMobilitätsbedürfnisse. Diese kann hier aber nur ansatz-
weiseangedeutetwerden.
9 ImFolgendenwerde ich CO2 synonymmit THG-Emissionenbzw. CO2 -Äquivalenten
benutzen.
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Title
- Baustelle Elektromobilität
- Subtitle
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Author
- Achim Brunnengräber
- Editor
- Tobias Haas
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Category
- Technik