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Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
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Page - 298 - in Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen

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298 Die evste Ersteigung dcs Großvencdigers Das Gespräch drehte sich blos um das Wetter, bis wir, nachdem alle gefrühstückt hatten, aus der Alpe aufbrachen. Leider war die grüße Zahl der Ersteiger Schuld daran, daß der Aufbruch erst um i'/z Uhr stattfand, und diese Verspätung gegen unseren ursprünglichen Vorsatz, sogleich nach Mitternacht die Wan- derung anzutreten, hatte, wie ich dies später erwähnen werde, sehr üble Folgen. Bei der letzten Alpenhütte schlössen sich diejenigen, welche in ihr übernachtet hatten, an und jetzt bot sich eine Szene dar, die des Pinsels des Malers würdig gewesen wäre. Da wir wohl wußten, daß unser Unternehmen mit großer Gefahr verbunden fei, wollten wir in der Kraft des Glaubens Ermuthigung suchen und so wnrde hier laut das Gebet des Herrn gebetet. Die Feierlichkeit der Handlung und der Ernst der Veranlassung, welch' beide in Aller Mienen zu lesen waren, stand im schönsten Einklänge mit der großartigen Erhabenheit des Ortes, an dem wir uns befanden. Der nahe, mächtig sich erhebende Gletscherabsturz mit seinen phantastisch gebildeten Eismassen und die hoch darüber zum Sternenhimmel strebenden riesigen Schneeberge waren uom Vollmonde feenhaft beleuchtet, während in seinem Scheine der nahe tosende Fall der Uche tausend und abermal tausend aus den Eishallen herabstürzenden Diamanten glich. Aber auch die Gruppe der Betenden selbst erhielt durch die Gestalten derselben, mit wenigen Ausnahmen fast durchgehends stämmige Söhne des Pinzgaus, theil- weise mit hübschen scharfgezeichneteu Gesichtszllgen, durch die malerische Tracht des Landes, welche die Mehrzahl trug, die Bergstöcke, womit alle bewaffnet waren, und durch die in der Mitte dcs Kreises befind» liche, vom Nachtwinde leicht bewegte Fahne ein hochromantisches An- sehen, und man wurde unwillkürlich an eine Oruppe beim schweigenden Mondlichte zur Vertheidigung des heimathlichen Vodens sich vereini- gender Gebirgsbewohner erinnert. Nach beendigtem Gebete begann sogleich die eigentliche Sestei- gung. Ein Vorwartsdringen in gerader Richtung war bereits nicht mehr möglich, weil der vor uns sich erhebende Gletscherabsturz offen- bar eine Wendung erforderte.
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Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
Title
Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
Author
Anton von Ruthner
Publisher
Carl Gerold's Sohn
Location
Wien
Date
1864
Language
German
License
PD
Size
11.8 x 19.2 cm
Pages
440
Keywords
Alpen, Gebirge, Natur
Categories
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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