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Die Wletscherthätigkeit auf Island. 17?
Stunden mehr als zwei Meilen weit über Land getragen, und ihr
Umfang war ein so außerordentlicher, daß sie die See bis auf
anderthalb deutsche Meilen vom Strande bedeckten und bis auf
den Grund, d, h. hundert Faden tief hinabgingen. Die Entblößung
auf dem Lande hatte einen großartigen Maßstab, Alle oberfläch-
lichen Anhäufungen wurden weggekehrt und der Grimdfelsen blos-
gelegt. Eine glatte Oberfläche entstand, die wie gehobelt aussah.*
Giebt man die Möglichkeit zu, daß die in dei Anmerkung
mitgetheilte Erzählung übertreibt, so hat man doch keinen Grund,
die buchstäbliche Wahrheit gerade des Punktes zu bezweifeln, auf
den ich die Aufmerksamkeit lenken wollte, und es zeigt sich mithin,
* Professor Steenstrup erhielt diese Handschrift vor vielen Jahren nus
einer Reift in Island. Professor Paijkull uan Upsala druckte einige Nuszüge
in seinem Werke: „Ein Sommer in Island" ab. Die folgenden Stellen über
diesen vielleicht einzigen Vorgang werden willkommen sein: „Beim Beginne
des AuZbwchs schuft ein Strom henwr, hauptsächlich aus halbgeschmolzenem
Schnee und großen Eismnfsen bestehend, die im Meere wie schwimmende
Inseln nmherfnhren, während gleichzeitig ein anderer Strom eine südöstliche
Richtung annahm und auf dem Lande großen Schaden that. Der erste
Strom füllte daL Meer fo weit mit Eis, daß man selbst Uon den höchsten
Bergen kein offenes Wasser sehen konnte, Es trieb mm westwärts bis Neyt-
janes und drängte sich in den Küstenflüssen aufwärts, so daß in den Fluß-
betten große Eisberge stehen blieben. Das meiste Eis blieb aber anderthalb
deutsche Meilen uom Lande in hundert Faden Wasser aus dem Grunde sitzen.
Außerdem bildete es auf dem Lande einen hohen Grat, der unm Meere bis
Hafrscy reichte. Ein ebenfo furchtbarer Strom brach am anderen Tage her-
um und schoß, so weit das Auge reichen tonnte, über die Eismassen weg, die
früher ins Meer getragen waren. Er bahnte sich einen Weg durch dns Kcr-
lingar-Thal und dämmte den dortigen Strom auf. Die Fluth oder vielmehr
das Eis führte ungeheure Felsmassen mit sich fort. Ein Felsen von zwanzig
Faden Höhe verschwand gänzlich, uon anderen Fällen nicht zn spreche«. Von
der Höhe dieser Eisschranteu kann man sich eine Idee machen, wenn ich sage,
daß man uon einem Gute, das weit oben liegt, dm gegenüberliegenden Berg
Uon 640 Fuß Höhe nicht sehen konnte und 12U0 Fuß hoch steigen mußte,
um diesen Anblick zu gewinnen. Die Entfernung zwischen diesen beiden Punk-
ten betragt eine geographische Meile, oder den fünfzehnten Theil eines Grades,"
3erg- u, Olctscherfthrtm. 12
Berg- und Gletscherfahrten in den Alpen in den Jahren 1860 bis 1869
- Title
- Berg- und Gletscherfahrten in den Alpen in den Jahren 1860 bis 1869
- Author
- Edward Whympers (Friedrich Steger)
- Publisher
- George Westermann
- Location
- Braunschweig
- Date
- 1892
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 12.2 x 18.4 cm
- Pages
- 490
- Keywords
- Alpen, Gebirge, Natur
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918