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Linguistic Landscapes auf Postkarten | 63
Prägekraft des gesellschaftlich bedingten Verhältnisses der Sprachen zueinander
kaum berücksichtigt werde. Ben Rafael et al. sprechen sinnvoller von „linguistic
landscape actors“: „[…] those who concretely participate in the shaping of LL by
ordering from others or building by themselves LL elements according to prefer-
ential tendencies, deliberate choices or policies“.48
Umgelegt auf Autorenschaft im Zusammenhang mit gewerblich produzierten
Postkarten lassen sich als „linguistic landscape actors“ eine Bandbreite von Akt-
euren definieren, die an der Wahl der jeweils verwendeten Sprache(n) beteiligt
gewesen sein können – in erster Linie aber Verlage, die selbsttätig Postkarten her-
ausgaben, oder Akteure vor Ort, wie Gastwirtschaften oder Geschäfte, die Post-
karten bei Verlagen oder auch direkt bei Druckereien in Auftrag gaben bezie-
hungsweise bestellten.
Das Verlagswesen in den fotografischen bzw. druckgrafischen Industrien war
am Ende des 19. Jahrhunderts bereits breit entwickelt. Verlage verfügten in der
Regel über eine höhere distributive Reichweite als einzelne Fotografen, die im
Postkartengewerbe häufig nur als Bildlieferanten auftraten und oft gar nicht ge-
nannt wurden. Es waren in der Regel auch die Verlage, die für jenen Produktions-
schritt verantwortlich waren, den Michael Ponstingl das „Content Packaging“
nennt49 – nämlich die Art und Weise, wie visuelle Inhalte präsentiert und aufbe-
reitet worden sind, wozu neben Nachbearbeitungen (Bildformat, Ausschnitte,
Vignettierungen, etc.) und der Wahl von Zierformen auch die Anbringung von
Aufschriften – und damit die Wahl der entsprechenden Sprache(n) – gehörte. Die-
ser Arbeitsschritt war notwendig, bevor Postkarten maschinell auf der Drucker-
presse bzw. in Schnellkopiermaschinen vervielfältigt wurden.50
Keineswegs lässt sich aus der sprachlichen (oder nationalen) Selbstverortung
des jeweiligen Produzenten auf die sprachliche Gestaltung seines Sortiments
schließen – die Sprache des Aufdrucktextes verweist also keineswegs geradlinig
48 Ben-Rafael et al. (Hg.), „Linguistic landscape as symbolic construction of the public
space. The case of Israel”, International Journal of Multilingualism 3 (1), 7-30, hier
S. 9.
49 Michael Ponstingl, „Medienökonomische Betrachtungen zur Fotografie im
19. Jahrhundert“, in: Herbert Justnik (Hg.), Gestellt. Fotografie als Werkzeug in der
Habsburger-Monarchie, Wien 2014, S. 32-50, hier S. 34.
50 Vgl. dazu auch: Michael Ponstingl, „Das Wiener Straßenleben als fotografische Post-
kartenserie – oder: vom Serien-Basteln“, in: Eva Tropper, Timm Starl (Hg.), Format
Postkarte. Illustrierte Korrespondenzen, 1900 bis 1936, Wien 2014, S. 89-116, hier S.
90.
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Title
- Bildspuren – Sprachspuren
- Subtitle
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Authors
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Editor
- Eva Tropper
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen