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64 | Eva Tropper
auf die ‚Ethnizität‘ des Verfassers.51 Vielmehr scheinen die jeweiligen Verleger,
die ihre Waren auf dem freien Markt an der jeweiligen Nachfrage orientierten, die
potenziellen Käufer/innen von Postkarten im Blick gehabt zu haben. Ihnen ging
es primär darum, die Nachfrage einer möglichst breiten Konsumentenschaft zu
befriedigen – beziehungsweise zu erzeugen.52 So produziert etwa der slowenisch-
sprachige und slowenisch national eingestellte Verleger Vilko Weixl im Mari-
bor/Marburg der Zeit bis 1918 ein fast ausschließlich deutschsprachiges Sorti-
ment, da das zu einem Gutteil bürgerliche Klientel seiner Abnehmer vor allem
deutsch bedruckte Karten bevorzugte.53 Nicht nur für die städtischen Zentren, son-
dern insbesondere für den touristischen Kontext ließe sich – in einer fein granu-
lierten Analyse – eine Häufung deutscher Aufdrucktexte feststellen, wobei von
Interesse wäre, welche Akteure hinter der jeweiligen Bildproduktion standen.
Kurorte wie Rogaška Slatina/Rohitsch-Sauerbrunn oder Rimske Toplice/Römer-
bad, die ein überregionales Publikum ansprachen, sind auf Postkarten mit deutli-
cher Dominanz deutsch codiert.54 Wie sehr sich hier über Postkarten eine ‚Natio-
nalisierung von Landschaft‘ ereignete, insofern sich jeweils ein deutscher ‚sense
of place‘ verdichtet, kann dabei eine wesentliche Fragestellung sein.55
Andererseits lässt sich vor allem in kleineren Orten im überwiegend slowe-
nisch besiedelten ruralen Raum feststellen, dass es oft Akteure vor Ort waren, die
slowenisch bedruckte Postkarten in Auftrag gaben oder bestellten und damit die
Linguistic Landscape des jeweiligen Ortes mitgestalteten. So finden sich in unse-
rem Sample für das eingangs erwähnte Griže/Greis zwei Namen wahrscheinlich
slowenischsprachiger Personen, beide vor Ort ansässig und möglicherweise lokale
Wirtschaftstreibende – nämlich J. Škraber und Teresine Širca – die vermutlich als
Auftraggeber für den Verlag slowenisch bedruckter Postkarten verantwortlich wa-
ren, während die beiden zweisprachigen Karten in unserer Evidenz von dem Wie-
ner Verlag Weiss & Dreykurs stammen.
51 Verleger mit einer explizit ‚nationalen’ Agenda sind in unserem Untersuchungsraum
die Ausnahme – auch wenn es sie gab. Zum deutschnational motivierten Fritz Rasch
und seinem slowenischnational motivierten Pendant Dragotin Hribar, vgl. Al-
masy/Tropper, Štajer-mark, S. 77.
52 Zu Aspekten der Produktion im Hinblick auf unterschiedliche erwartbare Käuferschich-
ten vgl. Roberto Zaugg: „Zwischen Europäisierung und Afrikanisierung. Zur visuellen
Konstruktion der Kapverden auf kolonialen Postkarten“, in: Fotogeschichte 118, 2010,
S.17-28, hier S. 17.
53 Zu Vilko Weixl vgl. Štajer-mark, S. 179-183.
54 Vgl. https://gams.uni-graz.at/context:polos.location.slv.rogaskaslatina;
https://gams.uni-graz.at/context:polos.location.slv.rimsketoplice
55 Vgl. Almasy/Tropper, Štajer-mark, S. 68.
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Title
- Bildspuren – Sprachspuren
- Subtitle
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Authors
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Editor
- Eva Tropper
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen