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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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80 | Karin Almasy alltägliche Erledigungen und Beschäftigungen hin. Sie stellen tendenziell nicht das Außergewöhnliche, Seltene in den Fokus, sondern lenken unseren Blick auf das Häufige, sich Wiederholende und Gewöhnliche – nicht auf berühmte Persön- lichkeiten und außergewöhnliche Ereignisse, sondern auf alltägliche Beschäfti- gungen gewöhnlicher, unbekannter Menschen. Die breite – in anderen Quellenarten oft stumm bleibende – Masse der Bevöl- kerung kann durch Postkarten ein Gesicht und eine Stimme bekommen und auf die Bühne historischen Geschehens treten. Denkt man beispielsweise an Themen wie das öffentliche oder (national-)politische Leben in der späten Habsburger Mo- narchie, ist für diese Zeit (insbesondere noch vor der Einführung des allgemeinen Männerwahlrechts) klar, dass im Wesentlichen die politisch-gebildete Elite, die städtische, politisch-partizipative, männliche Bevölkerung im Fokus von Untersu- chungen steht, da diese Männer die Akteure im politisch-öffentlichen Geschehen waren – und zahlreiche schriftliche Quellen für Historiker hinterlassen haben. Da- mit rückt unwillkürlich ihre Perspektive in den Vordergrund und verengt sich manch eine historische Studie auf die Sichtweise dieser einflussreichen, doch quantitativ kleinen Gruppe. Dass aus diesem Grund auch stärker nationale als na- tional indifferente Narrative überliefert wurden, stellte bereits Pieter Judson fest.10 Was aber das Leben der breiten – größtenteils ländlichen und zu gleichen Teilen weiblichen – Bevölkerung zur gleichen Zeit prägte, ist weit unklarer und deutlich weniger gut mit Quellen belegt. Und genau hierin liegt die Chance der ‚banalen‘ Postkarte: Die Sichtweise der ansonsten nicht behandelten, einfachen, weiblichen, ländlichen, politisch und ökonomisch nicht einflussreichen Bevölkerung aufzu- zeigen; also sichtbar zu machen, was ansonsten oft unsichtbar bleibt. Damit sind Postkarten eine Quelle mit großem Potenzial für die Mikrogeschichte, für die Eth- nologie und Kulturanthropologie, und sie können für die Verknüpfung bzw. die Überprüfung größerer makrohistorischer Annahmen oder Abstrahierungen auf kleinerer Ebene benützt werden. Für Fragestellungen, die sich für die ‚große‘ Ge- schichte ‚von oben‘, die großen politischen Institutionen und Entscheidungsträger interessieren, eignen sich Postkarten hingegen weniger. Three Things That I Know about it“, Critical Inquiry 20 (1993), S. 10-35; Francesca Trivellato, „Microstoria/Microhistoire/Microhistory“, French Politics, Culture & Soci- ety 33 (2015), S. 122-134. 10 Vgl. Pieter M. Judson, „Do multiple languages mean a multicultural society? National- ist 'frontiers' in rural Austria, 1880–1918“, in: Johannes Feichtinger, Gary B. Cohen (Hg.), Understanding Multiculturalism. Central Europe and the Habsburg Experience, New York, NY 2014, S. 61-84, hier: S. 64f.
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Title
Bildspuren – Sprachspuren
Subtitle
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Authors
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Editor
Eva Tropper
Publisher
transcript Verlag
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
346
Keywords
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Categories
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