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102 | Theodor Domej
was mehr als ein Drittel der Landesfläche auf der slowenischen Seite ließ (um-
gangssprachlich damals „im Windischen“ genannt). Diese Sprachgrenze war in
weiten Bevölkerungskreisen beider Sprachgruppen mental abgespeichert. Nörd-
lich dieser Grenze sprach die einheimische Bevölkerung deutsch, südlich davon
konzentrierte sich die Bevölkerung mit slowenischer Sprache und bildete in die-
sem Gebiet die große Mehrheit. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde dort in der
Alltagskommunikation überwiegend oder fast ausschließlich Slowenisch gespro-
chen. Eine Ausnahme bildeten die Städte und Märkte (Klagenfurt/Celovec,
Malborghet/Malborghetto/Naborjet, Tarvis/Tarvisio/Trbiž, Völkermarkt/Veli-
kovec, Griffen/Grebinj, Unterdrauburg/Dravograd, Bleiburg/Pliberk, Eisenkap-
pel/Železna Kapla), in denen sowohl zweisprachige wie auch nur deutschspra-
chige Personen lebten, sowie ein Teil des Kanaltals und des nördlichen Umlandes
von Klagenfurt, wo Deutsch die vorherrschende Sprache war. Weil aber die poli-
tisch-administrative Einteilung keine Rücksicht auf die sprachliche Zugehörigkeit
der Bevölkerung nahm, hatte ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf der
Ebene der politischen Verwaltungsbezirke nur der Bezirk Völkermarkt eine starke
slowenische Mehrheit. Sprachlich ausgewogen war der Bezirk Klagenfurt-Land,
im Bezirk Villach/Beljak bildeten Sprecher des Deutschen die Mehrheit, nur
kleine Anteile slowenischer Bevölkerung wiesen die Bezirke Hermagor/Šmohor,
Wolfsberg und Klagenfurt-Stadt/Celovec-mesto auf.
Räumlich wird Kärnten in den Grenzen behandelt, wie sie bis 1918/19 bestan-
den. Im Unterschied zu den heutigen Landesgrenzen umfasste Kärnten damals
auch das heute zur Republik Slowenien gehörenden Mießtal/Mežiška dolina und
Seeland/Jezersko sowie das Kanaltal/Kanalska dolina/ Val Canale (heute ein Teil
Italiens). Die Gesamtzahl der Kärntner Landesbevölkerung betrug 1880 344.064
Personen, bis zum Jahr 1900 wuchs sie auf 360.800 an und im Jahr 1910 zählte
Kärnten 387.072 Einwohner. Die Zahl der Personen mit slowenischer Umgangs-
sprache (d.i. diejenige Sprache, „deren sich die Person im gewöhnlichen Umgange
bedient“2) belief sich 1880 auf 102.252 Personen (29,7 %), 1900 auf 90.495 Per-
sonen (25,1 %). 1910 registrierte man im Rahmen der amtlichen Volkszählung
19. Jahrhundert“, Carinthia I, Bd 96, 1906, S. 153-178, hier 162 f.; Ante Beg, Slo-
vensko-nemška meja na Koroškem, Ljubljana 1908; Eberhard Kranzmayer,
Ortsnamenbuch von Kärnten, I. Teil, Die Siedlungsgeschichte Kärntens von der Urzeit
bis zur Gegenwart im Spiegel der Namen, Klagenfurt 1956, S. 66f.; Heinz-Dieter Pohl,
Kleine Kärntner Mundartkunde mit Wörterbuch, Klagenfurt 1989, S. 17.
2 So lautete in den Anleitungen zu den amtlichen Volkszählungen die Definition der Um-
gangssprache.
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Title
- Bildspuren – Sprachspuren
- Subtitle
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Authors
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Editor
- Eva Tropper
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen