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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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Wie die Nadel im Heuhaufen | 111 noch das andere, der Rest konnte bloß lesen. Betrachtet man Detailergebnisse (nach Ländern oder Bezirken), kommt man zum Schluss, dass es Unterschiede nach Nationalitäten gab. Es gab also Regionen und Nationalitäten, die weniger als andere bildungsbenachteiligt waren. Kärnten hatte, vergleicht man es mit der Stei- ermark und Krain (als dem Kernland des Gebiets mit slowenischer Bevölkerung), eine Mittelstellung, aber nur die Steiermark lag mit ihren Alphabetisierungsraten über dem zisleithanischen Durchschnitt.14 Das Kriterium, die Zahl der Briefsen- dungen pro Einwohner als „Gradmesser für Bildung und wirtschaftliche Entwick- lung“ zu nehmen, wie Herrmann das vorschlug, ist durchaus zweckdienlich – ge- rade in einer Zeit, in welcher sich die Schriftlichkeit aller Bereiche des menschli- chen Lebens bemächtigte. Ansichtskarten gehörten nur mittelbar zum umstrittenen Bereich der Sprach- verwendung, denn es hing vom Verleger und Ansichtskartenverkäufer ab, welche Produkte er dem Markt zur Verfügung stellte, vor allem aber auch vom Käufer, welche er kaufte, mit einer Nachricht versah und an einen Adressaten abschickte. Möglichkeiten, die Ansichtskarte mit nationalen Botschaften aufzuladen, gab es mehrere. Das Produkt Ansichtskarte hatte sowohl standardisierte als offene Kom- ponenten. Das Format der Ansichtskarte war standardisiert und richtete sich nach dem Format der 1869 eingeführten „Correspondenzkarte“ (es konnte aber durch einmaliges oder zweimaliges Falten upgegradet werden). Sprachenrechtliche Bestimmungen schränkten im privatwirtschaftlichen Bereich die Anwendung der einen oder anderen Sprache nicht ein, es gab aber eine Reihe anderer Faktoren, die den Sprachgebrauch auf allen auf der Ansichtskarte zur Verfügung stehenden Flächen beeinflussten. Die Ansichtskarte hatte drei wichtige Teilflächen, die mit Sprache zu tun haben: die verordnungsmäßig vorgesehenen Aufdrucke (z. B. auf der Adressseite der deutsche Begriff „Correspondenzkarte“ und ab 1884 den nichtobligaten Zusatz der entsprechende Begriff in einer Landessprache, auf Slo- wenisch „Dopisnica“). Zu den nichtobligaten Aufdrucken gehörten auf der Adressseite noch die Hilfen für die Schreiber, die aber auch nonverbal sein konn- ten (in Form von dünneren und dickeren Zeilenlinien). Auf der Rückseite, wo sich die bildliche Darstellung befindet, gab es keine Standardisierung beziehungsweise höchstens Beschränkungen inhaltlicher Natur. Ortsansichten hatten in den meisten Fällen einen Aufdruck des Ortsnamens. Oft finden sich dort auch andere Kurztexte (Grüße aus…, Parolen etc.). Weitere Aufdrucke konnten vom Verleger angebracht werden (Firmenname, die laufende Nummer der Ansichtskarte im Verlagspro- gramm, der Name des Fotografen bzw. Künstlers, das Erscheinungsjahr etc.). In diese Vordrucke konnte der Käufer oder Absender der Ansichtskarte nicht oder 14 Österreichisches statistisches Taschenbuch 1890, S. 15.
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Title
Bildspuren – Sprachspuren
Subtitle
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Authors
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Editor
Eva Tropper
Publisher
transcript Verlag
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
346
Keywords
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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