Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Historische Aufzeichnungen
Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Page - 114 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 114 - in Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie

Image of the Page - 114 -

Image of the Page - 114 - in Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie

Text of the Page - 114 -

114 | Theodor Domej Postbeförderung auszuschließen sind“.20 Trotzdem wurden die Nationalitätenkon- flikte weiterhin durch Herausgabe und Verschickung von Ansichtskarten mit ag- gressiven Losungen begleitet. Dies war auch in den Regierungsjahren des Minis- terpräsidenten Kasimir Felix Graf von Badeni (er regierte von 1895 bis 1897) der Fall, als durch Sprachverordnungen in Böhmen in mehreren amtlichen Anwen- dungsbereichen die tschechische Sprache mit der deutschen gleichrangig wurde. Im Kampf gegen diese Verordnungen gab die deutschnationale Seite sogenannte Obstruktionskarten heraus. Einige wurden von den Behörden beschlagnahmt21 und deren Gebrauch verboten.22 Auf den ersten Blick scheint es, dass Ansichtskarten, die die Natur- und Kul- turlandschaft zeigten, von solchen Begleiterscheinungen unberührt blieben. In sprachlich gemischten Gebieten wurden trotzdem Konflikte rund um die Ansichts- karten ausgetragen, die bei näherer Betrachtung als Folgen dieses zuweilen offe- nen, auf lange Dauer aber latenten nationalen Konflikts interpretiert werden kön- nen. Zumindest einigen Wortführern der nationalen Bewegungen und ihren Mit- streitern ging es darum, auch mittels der Ansichtskarten den nationalen Besitz- stand symbolisch abzusichern und darauf zu achten, dass der nationale Konkurrent ihn nicht ebenso symbolisch infrage stellte. Auf diese Fragestellung hin ist zu- nächst das Objekt selbst zu untersuchen, also die Ansichtskarte in ihrer vom Käu- fer (Absender) noch nicht beschriebenen Form, in gleicher Weise aber auch die textlichen und sonstigen Hinzufügungen durch den Schreiber und Absender, ge- gebenenfalls auch, was auf dem Weg vom Absender zum Adressaten passierte. Ob alle Handlungen der an diesem Prozess Beteiligten von Emotionen begleitet waren oder bewusst gesetzt wurden, ist eine berechtigte Frage. Sie ist sogleich zu verneinen, denn viele Entscheidungen waren einfach eine Folge konkreter Zu- stände, Vorschriften und unreflektierter Gewohnheiten, in denen Sprachhandlun- gen erfolgten, nicht zuletzt auch ganz verinnerlichter Einstellungen, derer sich we- der Absender noch Empfänger bewusst waren. 20 Freie Stimmen, 21. 06. 1890, S. 6. 21 Freie Stimmen, 03. 08. 1897, Nr. 92, S. 4. 22 Freie Stimmen, 13. 11. 1897, Nr. 136, S. 4.
back to the  book Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie"
Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Title
Bildspuren – Sprachspuren
Subtitle
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Authors
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Editor
Eva Tropper
Publisher
transcript Verlag
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
346
Keywords
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Bildspuren – Sprachspuren