Page - 123 - in Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Image of the Page - 123 -
Text of the Page - 123 -
Wie die Nadel im Heuhaufen | 123
Repräsentative profane Bauten, die im Rahmen der slowenischen Emanzipations-
bewegung errichtet wurden, wurden ebenfalls ins Bild gesetzt. Vor allem gehörten
dazu Ansichtskarten mit den Außenansichten der beiden slowenischen Privat-
schulgebäude (St. Ruprecht bei Völkermarkt/Šentrupert pri Velikovcu und St. Pe-
ter bei St. Jakob im Rosental/Šentpeter pri Šentjakobu v Rožu), des Lagerhauses
der slowenischen bäuerlichen Genossenschaftsbewegung (Kühnsdorf/Sinča vas)
und des (slowenischen) Arbeiterheimes in Unterloibl/Podljubelj bei Ferlach/Boro-
vlje.
Zweisprachige Aufdrucke bekamen auch einige Ansichtskarten aus dem Be-
reich der k. u. k. Armee (Schießstätte Glainach, Kasernen in Klagenfurt), weil dort
viele Soldaten slowenischer Sprache (nicht nur solche aus Kärnten) ihren Militär-
dienst ableisteten.
Fließend erfolgt der Übergang von den Ortsansichten zu Ansichtskarten aus
der Vereinstätigkeit (mit Abbildungen von Theater-, Tamburizza- und Turner-
gruppen, wie bereits in Abb. 3), Gaststätten, Kaufhäusern bis hin zu Fotografien
im Ansichtskartenformat, die ebenfalls häufig im Postweg verschickt wurden
(Portraits, Familien- und Gruppenfotos). Während des Ersten Weltkriegs kamen
Fotos aus dem Militärbereich (einzelne Soldaten oder kleinere Gruppen, auch sol-
che aus Militärlazaretten) dazu, doch hatten Fotoansichtskarten dieser Inhalte in
der Regel keine zusätzlichen Aufdrucke. Erst die vom Absender geschriebenen
Inhaltstexte bekunden deren Herkunft aus slowenischem Milieu (vgl. dazu später
noch Abb. 9+10).
Wer verlegte in Kärnten Ansichtskarten mit slowenischen Aufdrucken? In
Klagenfurt hatte die Hermagoras-Bruderschaft (Družba sv. Mohorja) ihren Sitz,
einer der wichtigsten und größten Verlage von gesamtslowenischer Bedeutung,
der mit einer eigenen Druckerei ausgestattet war. Der Verlag zeigte allerdings we-
nig Engagement, slowenische Ansichtskarten zu verlegen. Nur unter den ersten
slowenischen Ansichtskarten finden sich einige, die vom Hermagoras-Verlag her-
ausgebracht wurden, darunter die bisher vielleicht älteste mit einem slowenischen
Aufdruck.
Bildspuren – Sprachspuren
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Title
- Bildspuren – Sprachspuren
- Subtitle
- Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
- Authors
- Karin Almasy
- Heinrich Pfandl
- Editor
- Eva Tropper
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4998-1
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen